Kirche will sich verstärkt um christliche Flüchtlinge kümmern

Bonn (KNA) Die katholische Kirche in Deutschland will sich künftig noch stärker um christliche Flüchtlinge kümmern. „Wir waren für die Situation der Christen in den Erstaufnahmeeinrichtungen nicht aufmerksam genug“, räumte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in Nürnberg ein. „Inzwischen sind wir es.“ Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße würdigte das Asylrecht. Das Individualrecht könne „auch durch die Erklärung bestimmter Staaten zu sicheren Drittstaaten nicht insgeheim unterwandert werden“, sagte der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz laut NDR. Das Problem lasse sich nicht mit Obergrenzen lösen.

Schick sagte am Samstag mit Blick auf christliche Flüchtlinge, den Gläubigen solle im Prozess der Asyl-Anerkennung und bei der Integration der Rücken gestärkt werden. „Da haben wir eine besondere Verpflichtung.“ Der Leiter der Weltkirche-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz äußerte sich bei einem Studientag zur Seelsorge für christliche Flüchtlinge in deutschen Pfarreien. Es dürfe nicht sein, dass Asylsuchende in Deutschland erneut „um ihres Glaubens willen leiden“, betonte Schick mit Blick auf religiöse Konflikte in Aufnahmeeinrichtungen. Dies betreffe aber nicht nur die Christen, sondern auch andere Religionen.

Zur Kritik katholischer Würdenträger aus Syrien und dem Irak an der EU-Politik der offenen Grenzen sagte Schick, dies sei kein Widerspruch zur Haltung der deutschen Bischöfe. „Wir sagen: Wir locken niemanden an, aber wir müssen offen sein.“ Man dürfe nicht einfach Grenzen schließen – „weil das gegen die Menschenrechte wäre“. Es müsse alles dafür getan werden, dass „jeder heimkehren kann, sofern das möglich ist“.

Der Westen müsse mit „Krieg, Hunger und Menschenrechtsverletzungen“ die Fluchtursachen beseitigen, so der Erzbischof. Er rief dazu auf, Asylsuchende zuerst als Menschen zu betrachten, nicht als eine Gefahr oder Bedrohung. Schick verwies auf die jüngst von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen „Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge“. Darin heißt es, das Engagement für Asylsuchende solle fortgesetzt und ausgeweitet werden.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch pochte am Samstag im rbb-Hörfunk auf die Einhaltung der Menschenwürde. Sie komme allen Menschen zu, „den geborenen und ungeborenen, den gesunden und kranken, den leidenden und behinderten, den Flüchtlingen und den Obdachlosen“.

Der Heidelberger Orientalist Werner Arnold forderte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag) eine geschlossene Ansiedlung aramäischer Syrien-Flüchtlinge in Deutschland. Der Staat müsse dafür sorgen, „dass Sprachen wie das Aramäische auch in Europa erhalten werden.“ Arnold äußerte sich zum Welttag der Muttersprachen am Sonntag. Beim Aramäischen gehe es darum, eine gefährdete Sprache zu erhalten, die im Orient keine Überlebenschance habe. Der Wissenschaftler rief zugleich die europäischen Staaten auf, den noch im Orient lebenden aramäischen Christen zu helfen, dass sie dort bleiben könnten.

(KNA – qkmml-89-00041)