Was können Christen und Muslime gemeinsam machen? Was geht nicht?

Die Texte des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog nennen vier verschiedene Ebenen der Begegnung zwischen Muslimen und Christen: Den Dialog des Lebens, den Dialog des Handelns, den Dialog des theologischen Austausches und den Dialog der Glaubenserfahrung.

Jeder, der mit Gläubigen einer anderen Religion zusammenlebt, kann den Dialog des Lebens praktizieren. In der Familie, in der Schule, im gesellschaftlichen Leben, im kulturellen Bereich, bei lokalen Veranstaltungen, am Arbeitsplatz, in Politik, Wirtschaft und Handel kommen die Werte und Traditionen des Glaubens quasi von selbst miteinander in Beziehung. Schon die Einladung von Nachbarn oder Arbeitskollegen zu einer Geburtstagsfeier ist auf zwischenmenschlicher Ebene Ausdruck von Wertschätzung und Achtung; die Kenntnis der islamischen bzw. christlichen Feste und ihrer Datierung im jeweiligen Jahr bietet die Möglichkeit zu persönlichen Glückwünschen, vielleicht auch zur Teilnahme an der Festfeier.

Was hierbei geht ist z.B.:

– Schreiben einer Grußkarte zum Ramadan an Muslime oder zu Weihnachten an Christen.

– Einladungen zu Iftar-Essen und die Teilnahme von Christen daran.

– Einladungen zu Geburtstagsfeiern (nicht alle Muslime feiern Geburtstag, manche feiern den Geburtstag von Muhammad!)

Was nicht geht ist z.B.:

– Eingeladene Gäste zum Verzehr von Alkohol oder Schweinefleisch zu nötigen.

– wenn sich jemand aus religiösen Gründen an Speisevorschriften hält, ist dies zu respektieren (wenn Sie wissen, dass ihr Kind zu seinem Geburtstag ein muslimisches Kind einlädt, wäre insofern schön, wenn es nicht einzig Schweinefleisch gibt…).

– Selbst ein Fest der anderen Religion zu veranstalten. Christen können kein Iftar-Essen veranstalten und Muslime keine Fronleichnamsprozession!

– Verhalten der anderen ins Lächerliche zu ziehen.

Für die Fortsetzung des „Lebensdialogs“ reicht die Begegnung von Einzelnen nicht aus. Im Vordergrund des Dialogs des Handelns steht die praktische Zusammenarbeit. Christen und Muslime müssen sich gemeinsam für Gerechtigkeit und Freiheit, für Menschenrechte in all ihren Formen einsetzen. Gruppen, Gemeinden und Institutionen sollten die Kontakte tragen. Deshalb sind Begegnung und Dialog zwischen Christen und Muslimen wichtige Aspekte im Bildungsbereich, in der Jugend- und der Erwachsenenarbeit unserer Gemeinden. Sie vermitteln ein breites interreligiöses Allgemeinwissen. Auch in der diakonischen und karitativen Arbeit der Kirche geht es einerseits um die helfende, beratende und beistehende Begegnung zwischen Einzelnen, andererseits aber um kontinuierliche und institutionelle Hilfe und Begleitung. „Der interreligiöse Dialog wird zu vielerlei Formen der Zusammenarbeit führen, besonders in der Erfüllung unserer Pflicht, sich um die Armen und Schwachen zu kümmern. Das sind Zeichen dafür, dass unsere Gottesverehrung echt ist“ (Papst Johannes Paul II. in Damaskus).

Was hierbei geht ist z.B.:

– Gemeinsame Angebote in der Arbeit mit Jugendlichen oder mit Senioren.

– Basteln oder Sammeln um einen guten Zweck zu unterstützen, z.B. durch Verkauf beim Adventsbasar oder beim Tag der offenen Tür der Moschee.

– Beratungsangebote oder Hausaufgabenhilfe offen zu gestalten Was hierbei nicht geht ist z.B.: – Die Vereinnahmung der anderen für eigene Zwecke – der Umgang sollte wertschätzend und respektvoll sein – Angebote zur Missionierung der je anderen zu missbrauchen – Wenn gemeinsame religiöse Gebete oder Feiern veranstaltet werden sollen, gilt es einige Besonderheiten zu beachten (siehe hierzu die Arbeitshilfe der DBK zum interreligiösen Gebet).

Wenn vom Dialog des theologischen Austausches die Rede ist, geht es um Fragen des Glaubens und der Glaubenslehre. Dabei ist jeder bestrebt, die Religion des anderen von innen her verstehen und schätzen zu lernen. Man versucht, das Gemeinsame und das Unterscheidende der jeweiligen Glaubensüberzeugungen in den Blick zu nehmen. Es handelt dabei nicht nur um Gespräche von Theologen, die sich im interreligiösen Gespräch engagieren, sondern auch von Fachleuten, die in einem Spezialgebiet bewandert sind und sich über die Grenzen der Religionsgemeinschaften hinaus darüber austauschen. Im Bereich der interkulturellen und interreligiösen Erziehung analysieren Religionspädagogen z. B. die gegenseitigen Darstellungen in Unterrichtsmaterialien oder erarbeiten Modelle zur Qualifizierung der Religionslehrer. In den Arbeitsfeldern der Pflegeberufe erfolgt eine rege Vermittlung der Kenntnis von kulturund religionsbedingten Faktoren. Gleiches gilt für die sozialpädagogischen Tätigkeitsbereiche. Zur Frage was in diesem Bereich geht und was nicht finden Sie in den jeweiligen pastoralen Arbeitsfeldern ausführliche Informationen.

Von besonderer Bedeutung ist der Dialog der Glaubenserfahrung christlicher und islamischer Fachleute, die tief in ihrer eigenen religiösen Tradition verwurzelt sind, auf dem Gebiet der Spiritualität. Sie lassen einander an ihren Erfahrungen in Meditation, Gebet und Kontemplation teilhaben, sprechen über ihren Glauben und seine Ausdrucksformen, über ihre Suche nach dem Absoluten oder ihre mystischen Erfahrungen. Dieser Dialog kann dazu beitragen, das je eigene religiöse Erbe besser zu durchdringen, das Verständnis der Spiritualität des Anderen zu vertiefen und die Erfahrungen beider Partner im Leben angesichts der Wirklichkeit Gottes auszutauschen.

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