CIBEDO-Beiträge 01/2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
vor genau zehn Jahren wurde die Zeitschrift „CIBEDO-Beiträge zum Gespräch zwischen Christen und Muslimen“ wieder ins Leben gerufen und in einem neuen Format publiziert. Die vorliegende Ausgabe schöpft aus den Erfahrungen der zurückliegenden Jahre und wird mit dem neuen Erscheinungsbild die inhaltliche Qualität in gewohnter Manier fortführen. An das neue Logo der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle knüpft das grüne Oval samt dem arabischen Wasserzeichen im Hintergrund an. Die Farbkombinationen und Elemente auf dem Cover wurden reduziert. Der Titel der Zeitschrift ragt über die Grenzen des Ovals hinaus und kann symbolisch für die Studien, Essays und Berichte verstanden werden, die nicht in dem angepassten Rahmen des Gewohnten bleiben, sondern es auch wagen, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und neue Ansätze für den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu formulieren. Dazu gehören auch die Projekte und Publikationen, über die berichtet wird. Die Begegnung mit dem Anderen, des mir bis dahin Fremden, kann auch inspirieren, das Eigene mit neuen Augen zu sehen, zu beurteilen und danach zu handeln. Dabei sind der Kreativität der Gedanken keine Grenzen gesetzt. Das Zweite Vatikanische Konzil empfiehlt uns Christen den Dialog mit Muslimen „mit Klugheit und Liebe“ (NA 2) anzugehen. Das bedeutet aber nicht, sich eine vermeintlich konziliante Haltung anzueignen, sondern es auch zu wagen, sowohl Kritikwürdiges als auch Lobenswertes zu benennen.

Die CIBEDO-Beiträge werden weiterhin sowohl ein Dialogforum als auch eine Diskussionsplattform darstellen und jedem, der für die Begegnung zwischen Christen und Muslimen einen konstruktiven Beitrag leisten möchte, offen stehen. Darüber hinaus wird über das Dialoggeschehen und den aktuellen Stand der Begegnung zwischen Christen und Muslimen informiert – dafür stehen die verschiedenen Genera (Studien, Dokumentation, Berichte, Besprechungen, Literaturhinweise etc.) in der Zeitschrift zur Verfügung. Für dieses Vorhaben ist es ein Gewinn, dass die Zeitschrift ab der ersten Ausgabe 2016 beim Aschendorff Verlag publiziert wird. Das bürgt für die verlegerische, leserfreundliche Qualität sowie für den termingerechten Vertrieb der Zeitschrift.

„Erst wenn die Religionen untereinander in Frieden leben, können auch die Völker in Frieden leben“, sagte Ahmad al-Tayyib, der Großimam und Scheich der al-Azhar-Universität Kairo bei der Begegnung mit Weihbischof Dr. Jaschke in Berlin. Das von Papst Franziskus ausgerufenes Jahr der Barmherzigkeit bietet eine gute Gelegenheit, dass die Anhänger der Religionsgemeinschaften sich auf
das Friedenspotenzial ihrer Religionen besinnen und sich der Nöte und Anliegen der Bedürftigen annehmen. Es gibt keine Alternative zur religionsübergreifenden Solidarität und Zusammenarbeit! Gemeinsam können wir Zeugen des menschenfreundlichen Gottes und ein Instrument für Frieden werden! Dafür lohnt es, sich zu engagieren.
In diesem Sinne viel Freude bei der Lektüre!

Ihr Timo Güzelmansur

Inhaltsverzeichnis

Studien
„Ecclesia cum aestimatione quoque Muslimos respicit“. Philosophisch-anthropologische Grundierung eines zunächst unklaren Zentralbegriffs im christlich-muslimischen Dialog
Joachim Valentin 2

Wem gilt die Hochachtung in Nostra Aetate 3, oder: Ist eine Unterscheidung zwischen Islam und Muslimen möglich?
Roman A. Siebenrock 7

„Wem gehört der Koran?“ Ein christlich-theologischer Zugang
Anja Middelbeck-Varwick 15

Dokumentation
„Der Dialog, den wir brauchen, muss offen und respektvoll sein“
Papst Franziskus 23
„Überwinde die Gleichgültigkeit und erringe den Frieden“
Papst Franziskus 25
Berichte
Nostra Aetate 1965. Ein bahnbrechendes Dokument – 50 Jahre danach
Klaus Beurle 27
50 Jahre Nostra Aetate. Ein interreligiöses Gespräch über das Verhältnis der Kirche zum Islam
Matthias Böhm 29
Zwischen Moschee, Gesellschaft und Universität. Islamische Selbstauslegung im Dialog
Serdar Kurnaz und Hansjörg Schmid 31
„Einander willkommen heißen in Europa: von Furcht zum Vertrauen“. Die Europäische Versammlung von Religions for Peace
Johannes Lähnemann 33
Buchbesprechungen
Schirrmacher, Christine: Es ist kein Zwang in der Religion“ (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im
Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen.
Christian W. Troll SJ 34
Kandel, Johannes: Streitkultur statt Harmonisierung. Eine kritische Bestandsaufnahme des  christlich-muslimischen Dialogs
Gabriele Lautenschläger 35
Literaturhinweise 38
Zeitschriftenschau 39

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