CIBEDO-Beiträge 02/2016

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Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Jahr fand vom 25. bis 29. Mai der 100. Katholiken tag in Leipzig statt. Es hat sich bewährt, dass seit mehreren Jahren im vielfältigen Programm auch interreligiöse
Veranstaltungen angeboten werden. Die beiden Zentren für den christlich-jüdischen und christlich-islamischen Dialog bilden nun einen festen Bestandteil des Katholikentags und finden nicht mehr räumlich getrennt, sondern an einem Ort statt. Die vielfältigen Themen und Veranstaltungen werden zunehmend trialogisch vorbereitet und durchgeführt. Dadurch treten die verbindenden Elemente der drei Religionen zutage; es zeigt aber auch die hohe Professionalität und Kollegialität unter den Gesprächspartnern.

Somit sind die Katholikentage zu einer vermittelnden Instanz geworden, von der ein positives Signal für das Zusammenleben in einer religiös-pluralen Gesellschaft ausgeht. In Leipzig wurde auch die soeben veröffentlichte Erklärung des Gesprächskreises Christen und Muslime vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mit dem Titel „Keine Gewalt im Namen Gottes! Christen und Muslime als Anwälte für den Frieden“ vorgestellt. Es ist gerade in diesen Zeiten wünschenswert, das interreligiöse Engagement sichtbar zu machen und in einer dialog-kompatiblen Haltung Positives sowie Kritikwürdiges zur Sprache zu bringen.

„Wir haben gemeinsame Glaubensüberzeugungen und moralische Werte“, betonte eine von Muslimen und Christen gemeinsam formulierte Abschlusserklärung bei einem Treff en in Rom. Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog organisierte zum vierten Mal eine Tagung vom 3. bis 4. Mai mit dem Königlichen Institut für Interreligiöse Studien in Amman/Jordanien. „Wir glauben an die humanisierende und zivilisierende Rolle unserer Religionen“, und weiter heißt es, „wir glauben, dass Gott jede Person mit Würde und  unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat“.

Schließlich halten beide Gesprächspartner fest: „Wir verleihen unserer Nähe und Solidarität mit all jenen Ausdruck, die leiden – vor allem mit jenen, die unter Gewalt und bewaffneten Konflikten leiden. Respekt vor dem Völkerrecht sowie Dialog, Gerechtigkeit, Gnade und Mitgefühl sind Werte und adäquate Mittel, um Frieden und Harmonie zu erreichen.“ Diese solidarische Einstellung und diese positive Haltung zu den Grundrechten schaffen eine Welt, in der wir gemeinsam leben können. Wir haben keine tragfähige Alternative zum Dialog mit allen Menschen guten Willens.

Nach 30 Jahren als Bischof von Mainz und nach langjährigem Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz ging Karl Kardinal Lehmann am 16. Mai 2016 in den Ruhestand. Er ist ein großer Förderer des interreligiösen Dialogs
und hat viele wichtige Impulse für das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in unserem Land gegeben. Eine Stimme für den Dialog verabschiedet sich aus der Öffentlichkeit. Wir von CIBEDO sagen ein ganz herzliches Vergelt’s Gott für die Unterstützung und Gottes Segen für den verdienten Ruhestand!
Viel Freude bei der Lektüre dieses Heftes!

Ihr Timo Güzelmansur

Inhaltsverzeichnis

 

Studien

 

Zwischen Gewalt und Frieden:

Die Ambivalenz der Religionen in politischen Konflikten

Dirk Ansorge 42

 

Das Reich des Friedens:

Die Prophetie Jesu im Horizont der Heiligen Schrift

Thomas Söding 51

 

Zustandhaftigkeit als Modus der Zeitorganisation in der islamischen Geistesgeschichte

Armina Omerika 60

 

Dokumentation

Frieden durch Dialog

Papst Franziskus, 6. Mai 2016 67

 

Begegnung – Teilhabe – Integration

Gemeinsames Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2016 69

 

„Dialog bedeutet, mit dem Wort aus uns selbst herauszugehen,

um das Wort des anderen zu hören“

Abschlusserklärung der Begegnung des Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog und des Royal Institute for Inter-Faith Studies, Rom, 7.5.2016 71

 

Berichte

 

Im Deutschen Bundestag:

Bericht zur Grundsatzrede des Großscheichs der Kairoer al-Azhar-Universität

Sebastian Prinz 72

 

Kritik, Widerspruch, Blasphemie

Anfragen an Christentum und Islam

Tim F. Siegmund und Christian Seitz 74

 

Identitätsprozesse junger Muslime in Deutschland

Christina Weick 77

 

Der >Islamische Staat<. Eine globale Bedrohung

Bericht zum Symposium des Bundesamts für Verfassungsschutz, 2. Mai 2016 in Berlin

Sebastian Prinz 79

 

Buchbesprechungen

 

Khorchide, Mouhanad: Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus

Tobias Specker SJ 81

 

Middelbeck-Varwick, Anja/Tatari, Muna et al. (Hg.): Armut und Gerechtigkeit, Christliche und islamische Perspektiven, Regensburg 2016

Matthias Böhm 82

 

Literaturhinweise 85

Zeitschriftenschau 86

 

Wie gewohnt lassen  sich die Beiträge auch beim Aschendorff-Verlag bestellen.

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