Lehrergewerkschaft für Akzeptanz von Nikabs in der Schule

München (KNA) Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält Härte im Streit um Burka oder Nikab in der Schule für kontraproduktiv. Ein Ausschluss vom Unterricht sei schon mit Blick auf die Schulpflicht problematisch, sagte Ilka Hoffmann vom GEW-Hauptvorstand im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag). Hoffmann argumentierte weiter: „Wenn der Gesichtsschleier auf einen Weg in Richtung Radikalisierung hindeutet, dann verstärken wir diesen Prozess, weil dann die einzigen Leute, die eine junge Frau akzeptieren, jene sind, die extreme Positionen beziehen.“ Schule sei nicht nur Unterricht, sondern auch „Begegnung zwischen Gleichaltrigen“, so die Gewerkschaftsvertreterin mit Blick auf strengkonservative islamische Haushalte. Der Schulalltag sei eine Möglichkeit, „andere Weltsichten kennenzulernen und aus dem starren Korsett einer Familie herauszukommen“. Als „völlig schräg“ bezeichnete Hoffmann, dass Lehrer und Schulen mit dem praktischen Problem der Vollverschleierung von Schülerinnen „alleingelassen“ würden. Dies müsse in den Schulbehörden „breit diskutiert werden“. Die Ministerien seien in der Pflicht, für Rechtssicherheit zu sorgen – auch wenn es sich um Einzelfälle handele. Die GEW-Vertreterin bejahte, dass in der Nikab-Frage eine Debatte aus politischem Kalkül hochgekocht werde. „Wir haben ein Problem mit massiver Gewalt, auf das wir keine Antwort haben.“ Der Nebenschauplatz des Vollschleiers sei „für die Politik relativ unschädlich“; zugleich treffe die Debatte aber „schwache Glieder der Gesellschaft, nämlich bereits ziemlich entrechtete junge Frauen und Mädchen“, so Hoffmann.  Sie beklagte einen Fachkräftemangel an Schulen, einen Mangel an Ausstattung und auch ein Defizit in der Ausbildung von Lehrkräften für Fragen der Multikulturalität sowie für Einwanderersprachen. Wenn Politiker jetzt erklärten, Schule müsse ohne Rückendeckung des Ministeriums Entscheidungen treffen, „bedeutet das, sie soll Verantwortung für Fragen übernehmen, vor denen sich die Politik gedrückt hat“, kritisierte Hoffmann. – Die 51-jährige Sonderpädagogin leitet seit 2013 den GEW-Bereich Schule.

(KNA – qksmp-89-00156)