Italienischer Muslimverband kritisiert EU-Kopftuch-Urteil

Rom (KNA) Der Imam von Florenz, Izzedin Elsir, kritisiert das EU-Urteil zum Kopftuchverbot in Unternehmen. Die Entscheidung verletze die Religionsfreiheit sowie persönliche Freiheitsrechte, sagte der Präsident der Union der islamischen Gemeinden und Organisationen in Italien dem katholischen Pressedienst SIR. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte entschieden, dass ein Verbot zum Tragen von politischen, philosophischen und religiösen Zeichen in Unternehmen zulässig sein kann. Ein Verbot religiöser Zeichen stelle keine „unmittelbare Diskriminierung“ dar, heißt es in dem Urteil. Geklagt hatten die französische Projektingenieurin Asma Bougnaoui und die belgische Rezeptionistin Samira Achbita. Beiden Musliminnen war gekündigt worden, weil sie darauf bestanden, bei der Arbeit ihr Kopftuch zu tragen. In dem belgischen Fall gab es ein Verbot von religiösen Symbolen für alle Mitarbeiter. In Italien sei die Lage anders; die EuGH-Entscheidung trage aber „sicher nicht zum friedlichen Zusammenleben“ bei, so Elsir. Für eine gläubige Muslimin sei das Tragen des Kopftuchs so wichtig wie Fasten und Gebet. Dies zu verbieten, verstoße gegen „die europäischen Grundprinzipien von religiö- ser und persönlicher Freiheit“. Während man vor 70 Jahren noch dafür gekämpft habe, sei man nun auf dem Weg, zu einer „Diskriminierung aufgrund religiöser Gründe“ zurückzukehren – obwohl die Verfassung diese Rechte garantiere.

(KNA – rknlo-89-00144)

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