Rekowski nennt Debatte um Obergrenzen „Sackgasse“

Bonn (KNA) Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, übt scharfe Kritik an Forderungen zur Begrenzung des Flüchtlingszuzugs.

„Die Debatte um Obergrenzen ist für mich eine Sackgasse“, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Bonn. Auch seien Obergrenzen im Hinblick auf Asyl- und Menschenrecht nicht einzuhalten. „Da kann man nicht sagen: Bei 200.000 ist Schicht“, fügte er hinzu. Stattdessen müsse über „Lösungen für das Weltproblem Flucht“ debattiert werden, forderte Rekowski. Hier gehe es um humanitäre Herausforderungen, auf die die Völkergemeinschaft reagieren müsse. „Da kann niemand sagen, Flüchtlinge außerhalb unserer Landesgrenze interessieren uns nicht“, gab der Theologe zu bedenken.

Aus persönlichem Erleben habe er „großen Respekt vor allen Menschen, die aus einer fremden Kultur mit einer fremden Sprache hierher kommen“, sagte Rekowski, der selbst in Polen geboren ist und mit seiner Familie als Fünfjähriger nach Deutschland kam. „Ich habe zwar keinen klassischen Migrationshintergrund, aber dieser Umzug in eine völlig neue Welt hat mich und meine Familie sehr geprägt“, sagte der 59-Jährige. „Integration ist eine Herkulesaufgabe, in die zu investieren sich lohnt“. Seine Familie sei damals zunächst „nur eine Last für den deutschen Staat“ gewesen. „Dass das anders geworden ist durch Förderung, Schule und Ausbildung, ist eine Erfahrung, die mich immer positiv stimmt.“

Für die zweite Hälfte seiner bis 2021 dauernden Amtszeit als Chef der zweitgrößten evangelischen Landeskirche stehen laut Rekowski die Themen Interreligiöser Dialog, Diakonie und die stärkere Beteiligung der Jugend an. Aktuell gehe es um eine „theologisch tragfähige Verhältnisbestimmung“ zum Islam. „Wenn Studien sagen, dass ein Großteil der Bevölkerung den Islam ablehnt oder ihn als bedrohlich erlebt, hat das auch etwas mit uns zu tun.“ Hier seien Christen gefragt, Position zu beziehen, sagte der Theologe.

(KNA – rkrmp-89-00053)