Schriftsteller Rushdie sieht Zusammenhang von Terror und Islam

Berlin (KNA) Salman Rushdie (70), britisch-indischer Schriftsteller, sieht „ganz klar“ einen Zusammenhang von Terrorismus und einer extremistischen Auslegung des Islam.

„Zu behaupten, der ISTerror habe nichts mit dem Islam zu tun, bedeutet, die Realität nicht sehen zu wollen“, sagte er im Interview der „Welt am Sonntag“. Der Großteil der Muslime auf der Welt lehne diese Auslegung komplett ab. „Aber die Wurzeln dieses Terrors gehen auf eine Propaganda zurück, betrieben unter anderem von den Saudis, dem Iran und anderen, verbreitet durch ein Netzwerk von Imamen.“

Er glaube nicht, „dass Religion per se Gewalt innewohnt“, sagte Rushdie weiter. Er sei allerdings „kein Fan von Religionen, weil ich sie für eine dumme Anomalie des Geistes halte. Wir können auch ohne Religion leben. Religionen sind für mich wie eine Seuche.“ 1989 wurde der Autor von dem iranischen Religionsführer Ayatollah Khomeini mit einer Fatwa zum Tode verurteilt. Begründet wurde der islamische Richtspruch damit, dass Rushdies Buch „Die satanischen Verse“, ein Jahr zuvor erschienen, „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“ gerichtet sei. Erst seit einiger Zeit tritt Rushdie wieder öffentlich auf.

Derzeit gebe es durch Attentate mit Fahrzeugen „eine völlig neue Phase des Terrors“, sagte der Schriftsteller. Meist würden im Vergleich zu früheren Anschlägen weniger Menschen getötet oder verletzt, „dafür hat die Frequenz der Anschläge zugenommen“. So verbreiteten die Terroristen mehr Angst. Es gebe aber keine andere Lösung als die, die ihn selbst als jungen Menschen in Großbritannien angesichts von IRA-Bombenanschlägen sehr beeindruckt habe: „weiterzumachen damit, sein Leben zu erleben. Dem Terror nicht erlauben, die Welt zu verändern, in der wir leben.

Sonst gewinnen die Terroristen.“ Es sei „verstörend“, dass sich vor allem junge Menschen radikalisierten, fügte Rushdie hinzu. Ältere seien oftmals liberaler. „Auch das zeigt, dass unsere Welt derzeit kopfsteht.“ Die Zivilgesellschaft sei gefragt: „Auch eine tolerante Gesellschaft darf nicht so tolerant sein, Menschen zu unterstützen, die diese Gesellschaft zerstören wollen.“ – Rushdies neues Buch „Golden House“ erscheint am Dienstag bei C. Bertelsmann.

(KNA – rktkn-89-00022)