Die Bischöfe sind „irritiert“ über die Ditib

Die deutschen Bischöfe wollen den Dialog mit dem Islam nicht abreißen lassen. Bischof Georg Bätzing benennt bei der Vollversammlung jedoch Problemfelder – und kündigt eine interreligiöse Premiere an.

Beim Thema Islam stehen die deutschen Bischöfe vor dem gleichen Problem wie staatliche Stellen hierzulande: Das Vertrauen in den wichtigsten Ansprechpartner, die Ditib, die Vertretung der sunnitischen Muslime aus der Türkei, ist seit dem Putsch in der Türkei und den drastischen Reaktionen von Ministerpräsident Erdogan darauf erschüttert. Das wurde am zweiten Tag der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda deutlich. „Wir sind irritiert“, sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Dienstag vor Journalisten. Zuvor hatte sich die Vollversammlung mit dem Thema beschäftigt. Bätzing leitet seit einem Jahr die Unterkommission für den interreligiösen Dialog in der Deutschen Bischofskonferenz.

Kirche lässt sich nicht von Dialog abhalten

Irritiert sind die Bischöfe laut Bätzing vor allem über ein Gutachten der türkischen Religionsbehörde Dyanet über die Gülen-Bewegung aus dem Jahr 2016. Darin wird der Vorwurf erhoben, die Putschisten der Gülen-Bewegung würden von Christen aus den westlichen Ländern unterstützt, die den Islam zerschlagen und junge Muslime für das Christentum gewinnen wollten. Das Gutachten lade den Konflikt zwischen der Gülen-Bewegung und Erdogan religiös auf, erklärte Bätzing. Die deutschen Bischöfe hätten daraufhin einen Brief an die Ditib geschrieben und um eine Stellungnahme dazu gebeten. „Wir stellen die Fragen, die wir haben. Denn wir sind irritiert“, so der Limburger Bischof. Eine Antwort des Ditib-Vorsitzenden Nevzat Yaşar Aşıkoğlu  sei „recht bald“ eingegangen. Doch bislang sei sie noch nicht ausgewertet worden. Die Unterkommission werde die „Qualität der Antwort“ bei ihrem nächsten Zusammentreten prüfen, kündigte Bätzing an.

Dabei ließ Bätzing keinen Zweifel daran, dass die deutschen Bischöfe trotz aller Irritationen in der letzten Zeit den Dialog mit dem Islam fortsetzen wollen. Die Kirche werde sich durch Terror und Islamfeindlichkeit nicht von diesem Kurs abbringen lassen. Die deutschen Bischöfe setzten sich auch weiterhin für islamischen Religionsunterricht in den Schulen ein, für eine islamische Gefängnisseelsorge und Gräberfelder für Muslime auf öffentlichen Friedhöfen.

Auch das heikle Thema muslimische Flüchtlinge, die zum Christentum übertreten, kam am Dienstag zur Sprache. Politisch heikel ist das Thema, weil Flüchtlingen zuweilen unterstellt wird, sie würden nur zum Christentum konvertieren, weil sie ihre Chancen auf einen Verbleib erhöhen wollen; Religiös heikel ist es, weil es auf islamischer Seite regelmäßig Ängste vor einer Abwerbung von Gläubigen schürt. Bätzing wies daraufhin, dass solche Fälle in Deutschland sehr selten seien. Der Sprecher der Bischofkonferenz Matthias Kopp teilte mit, dass die Zahl der Übertritte von Flüchtlingen durch die Bischofskonferenz statistisch nicht erfasst werde. Die Gesamtzahl der Muslime, die im vergangenen Jahr zum Christentum konvertierten, bezifferte er auf „deutlich unter 300“. Dass die Zahl so niedrig sei, liege vor allem an den hohen Anforderungen, die die Bischöfe an die Bewerber stellten, erklärte Kopp. Man wolle keine Gläubigen abwerben und keine Massentaufen. Die Kandidaten müssten eine einjährige Vorbereitungszeit absolvieren.

Katholisch-muslimische Premiere angekündigt

Bischof Bätzing verriet anschließend im Gespräch mit katholisch.de, dass bei ihm noch nie ein Muslim vor der Tür gestanden habe, der getauft werden wollte. Er habe aber bereits muslimische Taufbewerber in seinem Bistum kennengelernt.

So schwierig die Situation derzeit auch ist. Für April 2018 kündigte Bätzing eine katholisch-muslimische Premiere an: Die Deutsche Bischofskonferenz werde erstmals muslimische Vertreter, die mit den Bistümern in Kontakt stehen, zu einem Empfang einladen. Gastgeber wird Bätzing selbst sein. Die katholisch-islamische Begegnung soll im Frankfurter Haus am Dom stattfinden.

Von Thomas Jansen / katholisch.de / Link zum Artikel auf katholisch.de

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