Bedford-Strohm skeptisch in Debatte über muslimischen Feiertag

Berlin (KNA) In der Debatte über einen möglichen muslimischen Feiertag hierzulande hat sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, skeptisch gezeigt.

„Es gibt für Muslime auch heute bereits die Möglichkeit, sich an ihren Feiertagen freizunehmen. Das religiöse Leben und die Glaubensfreiheit für Muslime ist damit gewährleistet“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Bedford-Strohm rief Muslime in Deutschland dazu auf, „noch viel mehr als demokratischzivilgesellschaftliche Kraft“ zu wirken. „Ein Islam, der sich im Einklang mit den Menschenrechten weiß, gehört zu Deutschland, aber ein fundamentalistischer nicht.“

Die Gleichsetzung aller Muslime mit Fundamentalisten sei unhaltbar. „Aber ich erwarte auch von jeder Religion, dass sie ihre eigenen Traditionen kritisch prüft, ob sie zum Hass aufrufen oder ob sie Kräfte des Friedens sind“, sagte der bayerische Landesbischof. „Das ist auch für die christlichen Religionen immer eine Aufgabe gewesen. Eine Theologie, die zum selbstkritischen Umgang mit den eigenen Traditionen erzieht, ist in jeder Religion unerlässlich.“ Sympathie bekundete Bedford-Strohm für den aktuell diskutierten Vorschlag, den Reformationstag dauerhaft zu einem bundesweiten gesetzlichen Feiertag zu machen. „Zunächst einmal bin ich froh darüber, dass es 2017 so ist. Wenn es nun Stimmen aus der Politik gibt, das beizubehalten, bin ich natürlich nicht unglücklich darüber.“

Im Gedenkjahr zu 500 Jahren Reformation ist der 31. Oktober einmalig in allen Bundesländern ein Feiertag. Der Reformationstag sei ein Tag der Freiheit, sagte Bedford-Strohm. In Martin Luthers Schrift „Freiheit eines Christenmenschen“ stecke die Ermutigung zur Zivilcourage. „Das brauchen wir heute auch, Mut, keine Angst vor Autoritäten, Zivilcourage in den öffentlichen Debatten“, so der Landesbischof.

(KNA – rlkmt-89-00044)