Papst an Buddhisten: Gemeinsam für Frieden und Menschenwürde

Rangun (KNA) Bei einem Treffen mit dem Obersten Rat der Buddhisten in Myanmar hat Papst Franziskus erneut die Achtung der Menschenwürde gefordert.

Katholiken und Buddhisten seien aufgerufen, gemeinsam für Frieden sowie für Gerechtigkeit gegenüber Männern und Frauen einzutreten. „Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer“, sagte er am Mittwoch in Rangun. Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar machen die Katholiken mit etwa einem Prozent der Bevölkerung nur eine kleine Minderheit aus. Bei seiner Rede vor dem Hohen Rat der buddhistischen Mönche (Sangha Maha Nayaka) im Kaba Aye Centre – eine der bekanntesten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens – nahm der Papst auch den Staat und die Gesellschaft in die Pflicht.

Um die „Wunden der Konflikte zu heilen, die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben“, seien nicht nur religiöse Führer und der Staat gefragt, sondern die gesamte Gesellschaft. Jeder einzelne müsse daran arbeiten, „dass Konfliktsituationen und Unrecht überwunden werden“. Wie bereits am Vortag in seiner Ansprache an Regierungsvertreter, Zivilgesellschaft und Diplomaten fiel auch diesmal das Wort „Rohingya“ nicht. Der Papst betonte jedoch mehrfach, dass jeder Mensch zu achten sei und Kultur, ethnische und nationale Zugehörigkeit Teil einer „gemeinsamen menschlichen Natur“ seien. „Echte Gerechtigkeit und dauerhafter Friede können nur erreicht werden, wenn sie allen gewährleistet werden.“ Franziskus verwies zudem auf gemeinsame Werte von Katholiken und Buddhisten. Wenn die Religionen zusammenhalten wollten, „müssen wir jede Form von Unverständnis, Intoleranz, Vorurteil und Hass überwinden“.

Dazu zitierte er Buddha mit den Worten: „Besiege die Wut mit der Nicht-Wut, besiege den Bösen mit der Güte, besiege den Geizigen mit der Großzügigkeit, besiege den Lügner mit der Wahrheit.“ Diese Worte seien für jeden ein Wegweiser, so der Papst. Ähnlich habe sich auch der heilige Franziskus in einem ihm zugeschriebenen Friedensgebet geäußert: „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt […].“ Fast gleichlautend äußerte sich der Präsident des staatlichen Sangha-Rates, Bhaddanta Kumarabhivamsa. Letztlich eine alle Religionen, dass sie den „Weg zum Gemeinwohl“ beschritten. Er verurteilte Terrorismus und religiösen Extremismus als „böswillige Interpretation der ursprünglichen Lehren der jeweiligen Religion“ und rief alle Religionsführer dazu auf, dies ebenfalls zu tun.

Das 47 Mitglieder umfassende Führungsgremium des Sangha-Rates wird vom Staat ernannt. Der Rat soll unter den 500.000 Mönchen und Novizen im Land über die Einhaltung des Buddhismus wachen. In den vergangenen Monaten war es in Myanmar vereinzelt zu Hetze radikaler Buddhisten gegen andere Völker und Religionen gekommen Vom Kaba Aye Centre aus begab sich Franziskus zum Sitz des Erzbischofs von Rangun, wo er am frühen Abend (Ortszeit) die 22 Bischöfe des Landes empfängt. Unterwegs war ein Zwischenstopp an der Sankt-Marien-Kathedrale geplant – dort feiert Franziskus am Donnerstag eine Messe mit Jugendlichen, bevor er zum zweiten Teil seiner Reise ins benachbarte Bangladesch fliegt.

(KNA – rllmt-89-00010)