Papst zu Myanmar-Reise: „Ich habe die Wahrheit nicht verhandelt“

Rom/Dhaka (KNA) Papst Franziskus hat durchblicken lassen, dass er im Gespräch mit Myanmars Armeeoberbefehlshaber auch auf die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya eingegangen sei.

Da die Begegnung mit General Min Aung Hlaing als privat deklariert war, könne er keine inhaltlichen Details nennen, so der Papst. „Aber ich versichere euch, ich habe die Wahrheit nicht verhandelt. Ich habe so gesprochen, dass er verstanden hat, dass man heute die Dinge nicht mehr so machen darf, wie sie früher gemacht wurden“, sagte Franziskus am Samstag auf dem Rückflug aus Asien vor mitreisenden Journalisten. Es sei ein gutes Treffen gewesen, und er sei sicher, die Botschaft sei angekommen. Franziskus antwortete auf die Frage, wie die Begegnung mit dem General zu Beginn seines Myanmar-Besuchs am Montag war und warum er mit ihm gesprochen habe. Zum Hintergrund erläuterte Franziskus, er sei vom Armeechef um ein Gespräch gebeten worden; er habe dies angenommen, da er nie eine Tür verschließen wolle. „Durch ein Gespräch verliert man nie etwas, man gewinnt immer“, so Franziskus.

Auf die Frage, ob er in dem Gespräch das Wort „Rohingya“ verwendet habe, sagte Franziskus: „Ich habe Worte verwendet, um meine Botschaft rüberzubringen. Und als ich gesehen habe, dass die Botschaft angenommen wurde, habe ich mich getraut, alles zu sagen, was ich wollte. ‚Intelligenti pauca‘ [latein.: dem Klugen genügt eine Andeutung].“ Das Militär hat nach jahrzehntelangem Militärregime noch immer große Macht in Myanmar. Die Armee ist auch für Militäraktionen und Vertreibungen der muslimischen Minderheit der Rohingya in der Region Rakhine verantwortlich. Franziskus erläuterte auf dem Flug auch, wieso er bei seinen offiziellen Ansprachen in Myanmar nicht von „Rohingya“ sprach. So hätte er den Gastgebern „sozusagen die Tür vor der Nase zugeschlagen“, sagte er. Er habe die Lage beschrieben und vom Recht der Minderheiten gesprochen, „um dann in den Privatgesprächen noch weiter zu gehen.“ Das wichtigste sei ihm, dass seine Botschaft ankomme. Daher versuche er, Schritt für Schritt zu machen und auch die Antworten zu hören.

Besonders wichtig war dem Papst nach eigenem Bekunden eine persönliche Begegnung mit den Betroffenen. Er habe zwar nicht gewusst, wann und wie er Rohingya sehen werde; „aber das war für mich eine Bedingung der Reise“.

Er hätte die vertriebene muslimische Minderheit gerne in einem der Flüchtlingslager in Bangladesch besucht, sagte er; dies sei aber aus verschiedenen Gründen unmöglich gewesen. Seine Begegnung mit 16 Rohingya-Flüchtlingen in Dhaka am Freitag habe ihn dann zu Tränen gerührt, so der Papst. Als sie bei ihm auf der Bühne waren, habe er gespürt: „Ich kann sie nicht ohne ein Wort gehen lassen.“

Also habe er um ein Mikrofon gebeten, spontan das Wort ergriffen und zweimal um Vergebung gebeten. „In dem Moment habe ich geweint und versucht, dass niemand das sieht“, gestand er. Auch einige der Flüchtlinge hätten geweint. Im Zentrum seiner einwöchigen Auslandsreise nach Myanmar und Bangladesch stand die Krise um die muslimische Minderheit der Rohingya, die aus der Provinz Rakhine in Myanmar zum Teil brutal vertrieben wurden; Hunderttausende flohen ins benachbarte Bangladesch.

(KNA – rlmkn-89-00041)