Experte fordert gründliche Beobachtung von IS-Rückkehrerfamilien

München (KNA) Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer fordert die Behörden auf, Familien gründlich zu beobachten, die aus den IS-Kampfgebieten im Irak und in Syrien zurück nach Deutschland kommen.

„Kinder können erheblichen Schaden nehmen, wenn sie in einer salafistischdschihadistischen Familie aufwachsen, die sich komplett von der Gesellschaft abschottet“, sagte Kiefer der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). Die Jugendämter hätten aber ausreichend gesetzliche Möglichkeiten, um radikalisierte Rückkehrerfamilien zu kontrollieren, wozu auch der Sorgerechtsentzug gehöre. Nach Angaben der Bundesregierung waren bis Ende 2017 mehr als 960 Islamisten aus Deutschland in den Irak oder nach Syrien ausgereist.

Etwa ein Drittel von ihnen sei inzwischen zurückgekehrt, manchmal als Familien. Darunter seien auch „eine niedrige dreistellige Anzahl von Minderjährigen“, wobei aber „der Großteil im Baby- beziehungsweise Kleinkindalter sein dürfte“. Exakte Zahlen liegen nicht vor, weil viele Babys erst in den Dschihad-Gebieten geboren wurden. Der Verfassungsschutz hatte vor einiger Zeit davor gewarnt, dass Kinder von Dschihadisten „islamistisch sozialisiert und indoktriniert“ aus den Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren könnten. Kiefer, der Dozent am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück ist, rät Jugendämtern, die betreffenden Familien intensiv zu überprüfen, sobald sie sich bei den jeweiligen Einwohnermeldeämtern zurückmelden.

Auch der Verfassungsschutz und die Polizei sollten, wenn nötig, eingeschaltet werden. Zugleich warnt er aber auch vor Panikmache: „Ganze Reihen von Frauen sind von ihren Männern in die IS-Gebiete mitgeschleift worden, nun sind sie heilfroh zurückzukehren, nachdem dort alles kaputt ist.“ Allerdings könne es vielen Müttern schwerfallen, sich wieder zu integrieren: „Ob sie ihren Kindern aber die IS-Ideologie nahebringen werden, ist Kaffeesatzleserei“, so der Islamwissenschaftler. Kinder seien immer manipulierbar, doch er rechne eher damit, dass die Behörden mit traumatisierten Kindern konfrontiert werden, die „schlimme Dinge erlebt haben“.

(KNA – sklkt-89-00208)

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