Islam-Experte Mansour für nationale Strategie bei Integration

Nürnberg (KNA) Islam-Experte Mansour für nationale Strategie bei Integration.

Der Islam-Experte Ahmad Mansour hat an SPD und Union appelliert, die Integration zum Hauptthema der Sondierungsgespräche für eine neue Regierungskoalition in Berlin zu machen. Integration bedeute „mehr als Arbeit zu finden, die Sprache zu beherrschen und nicht kriminell zu werden“, sagte der Psychologe und Autor den „Nürnberger Nachrichten“ (Donnerstag).

Bisher fehle eine nationale Strategie dafür, dass Migranten „emotional hier ankommen und das Grundgesetz als Chance und Gewinn für sich sehen“. Konkret sprach sich Mansour für einheitliche Integrationskurse, eine konsequentere Abschiebung von Schwerkriminellen und ein Einwanderungsgesetz aus. Staatliche Leistungen sollten an Bedingungen geknüpft werden. Wer Deutsch lerne und sich um Arbeit bemühe, müsse stärker belohnt werden als „diejenigen, die seit zwei Jahren eigentlich nichts tun“. Weitere klärungsbedürftige Themen seien der Umgang mit Antisemitismus, Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit. Die neue Regierung müsse die Gesellschaft dabei mitnehmen, denn diese sei vor allem wegen der Themen Migration und Sicherheit „gespalten und zerrissen“.

Die Debatte werde bisher sehr emotional und zu wenig differenziert geführt. Das liege auch an der Angst vieler Politiker, „ins rechte Eck gestellt zu werden“. Bei den kontrovers diskutierten Themen Alterstests und Familiennachzug sprach sich der Experte gegen Pauschallösungen aus. Er fände es gut für Deutschland, das Alter von Migranten zu erfassen, sagte Mansour. Überprüfungen sollten aber nicht massenhaft, sondern nur in Verdachtsfällen gemacht werden.

Beim Familiennachzug gelte es auf den Einzelfall zu schauen. Manchmal sei er „absolut notwendig“, in anderen Fällen könne er auch die Integration beeinträchtigen. Mansour ist Palästinenser, stammt aus Israel und wäre in seiner Jugend nach eigenen Angaben beinahe radikaler Islamist geworden. Heute beschäftigt er sich mit Projekten gegen Radikalisierung, Unterdrückung und Antisemitismus unter Muslimen. Er lebt und arbeitet seit 2004 in Deutschland.

(KNA – skllk-89-00184)

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