De Maiziere: Ditib muss sich von Türkei emanzipieren

Passau/Bonn (KNA) Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) warnt den deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib davor, sich von der türkischen Regierung instrumentalisieren zu lassen. „Ich empfehle Ditib dringend – und das haben wir auch immer wieder in unseren Gesprächen deutlich gemacht – eine von der Türkei unabhängige Rolle zu finden und sich nicht von der politischen Einflussnahme oder Instrumentalisierung aus Ankara abhängig zu machen“, sagte der Minister der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Er wisse, dass es innerhalb des Verbandes eine Debatte über genau diese Ausrichtung gebe. Ditib sei mit Abstand der größte Zusammenschluss von Moscheegemeinden in Deutschland und bisher als solcher ein wichtiger und gemäßigter Vertreter des Islam in Deutschland gewesen. Gerade in der derzeitigen Situation sei es notwendig, mit Ditib im Gespräch zu bleiben, betonte de Maiziere. Ditib-Imame hätten in der Vergangenheit in Deutschland oft eine konstruktive und mäßigende Rolle gespielt. „Jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in der Türkei muss sich Ditib allerdings kritische Fragen gefallen lassen“, erklärte de Maiziere. Der Generalbundesanwalt habe ein Ermittlungsverfahren wegen Spionage eingeleitet. „Das begrüße ich sehr“, sagte der Bundesinnenminister. Der Verband steht seit Wochen in der Kritik, weil einige Ditib-Imame Informationen über Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen an die türkische Regierung weitergeleitet haben sollen. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Staatsfeind. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht sie für den gescheiterten Putsch im Juli 2016 verantwortlich. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte am Mittwoch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt, sein Verband habe „zu keiner Zeit Berichte eingefordert oder verfasst. Auch sind keine Berichte über die Tische der Ditib gegangen oder weitergeleitet worden.“ Man bemühe sich weiterhin um Aufklärung, dies brauche aber noch Zeit. Unterdessen forderten die katholischen Bischöfe in Deutschland Ditib auf, das Thema „Judenhass innerhalb des eigenen Verbandes offen zu thematisieren und konsequent dagegen vorzugehen“. Antisemitismus – von welcher Seite auch immer – dürfe „in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“ und müsse „entschlossen bekämpft werden“, betonten die Bischöfe Georg Bätzing und Ulrich Neymeyr. Bätzing ist Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog in der Deutschen Bischofskonferenz, Neymeyr ist Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Anfang der Woche hatte der Hessische Rundfunk berichtet, dass einzelne Gemeinden Hassparolen auf türkischer Sprache ins Internet gestellt hätten. Ditib distanzierte sich daraufhin von antisemitischer Hetze und christenfeindlichen Äußerungen im Internet. „Diese Vorkommnisse berühren uns auch deshalb, weil Ditib zu den muslimischen Gesprächspartnern der Deutschen Bischofskonferenz gehört“, so Bätzing und Neymeyr. (KNA – rkmkm-89-00195)