Experte befürchtet mehr islamistischen Terror

Bonn (KNA) Der Islamwissenschaftler Michael Rohschürmann fürchtet nach einem militärischen Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) mehr islamistische Anschläge. „Der IS wird zunächst ein virtuelles Kalifat werden und dann zusammenbrechen“, sagte Rohschürmann am Dienstag in Bonn. Der globale Terror werde dennoch zunehmen, weil Nachfolgegruppen bereit stünden, das Erbe des IS anzutreten. „Wenn man radikal genug ist, wird das Kalifat wieder denkbar“, sagte Rohschürmann. Das habe der IS mit der Eroberung von großen Gebieten und der Ausrufung eines Gottesstaates bewiesen. Die seit 1979 anhaltende Spannung zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran sind nach Ansicht des Experten der vorherrschende Konflikt im ganzen Nahen Osten. Die Auseinandersetzungen in anderen Ländern der Region bezeichnete er als damit zusammenhängende Stellvertreterkonflikte. Die unter dem Begriff „Arabischer Frühling“ zusammengefassten Proteste und Umsturzbewegungen hätten die Lebensbedingungen der meisten Menschen nicht gebessert. Stattdessen würden in vielen Ländern bestehende Konflikte religiös aufgeladen. Eine Gegenbewegung dazu könne der Westen schwerlich inszenieren, vielmehr müsse diese „aus dem Herzen des Islam“ kommen. – Rohschürmann äußerte sich bei einem Vortrag im Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC).

(KNA – rkmkr-89-00170)