Radikaler Islam in Belgien weiter auf dem Vormarsch

Brüssel (KNA) Das belgische Koordinationsorgan für die Bedrohungsanalyse (KOBA) warnt vor einer Ausbreitung des radikalislamischen Wahhabismus in Belgien. „Eine wachsende Anzahl von Moscheen und islamischen Zentren in Belgien steht unter dem Einfluss des Wahhabismus, dem Missionsapparat der Salafisten“, teilte KOBA laut der belgischen Zeitung „Le Soir“ (Mittwoch) mit. Imame dieser Strömung predigten regelmäßig in belgischen Moscheen ihre rigide Auslegung des Koran. Besonders in Brüssel, Antwerpen und Mecheln seien Imame des Wahhabismus aktiv. Parallel dazu verbreiteten sie ihre Ansichten in Europa über wahhabitische Fernsehsender und OnlineMedien. Der Wahhabismus ist eine besonders radikale Richtung im sunnitischen Islam. Sie geht zurück auf die Lehren des Rechtsgelehrten Muhammad ibn Abd al-Wahhab, der 1702/03 bis 1792 im heutigen Saudi-Arabien lebte. Er predigte eine strenge, wortwörtliche Auslegung des Koran und der Prophetenüberlieferungen, um zum vermeintlichen Ur-Islam des 7. Jahrhunderts zurückzukehren. Der Wahhabismus ist offizielle Staatsdoktrin in Saudi-Arabien. Das saudische Regime stützt seine Macht insbesondere auf die Loyalität wahhabitischer Gelehrter. Zugleich gibt es enge inhaltliche und personelle Überschneidungen zwischen den Wahhabiten und den gleichfalls rückwärtsgewandten Salafisten. Seit langem wird gemutmaßt, dass saudische Kreise Salafisten und andere islamische Radikale im Westen finanziell und logistisch unterstützt.

(KNA – rkmks-89-00081)