Bosnien-Herzegowina erinnert an Völkermord-Opfer von 1995
In Sarajevo heulen die Sirenen. 70 Kilometer weiter östlich finden Opfer nach drei Jahrzehnten ihre letzte Ruhe: In Bosnien-Herzegowina wird an den Völkermord von 1995 erinnert. Viele Wunden bleiben indes oen. Sarajevo (KNA)
In Bosnien-Herzegowina sind am Samstag die sterblichen Überreste von zehn Völkermord-Opfern beigesetzt worden. Die Zeremonie an der oziellen Gedenkstätte im ostbosnischen Dorf Potocari ist der jährliche Höhepunkt des Gedenkens an die Opfer des Srebrenica-Massakers vom Juli 1995. Die UN hatten den mehr als 8.000 muslimischen Jugendlichen und Männern, die bei dem Völkermord getötet wurden, vor zwei Jahren einen internationalen Gedenktag gewidmet.
Laut bosnischen Medien nahmen Tausende Menschen aus dem ganzen Land an dem Bestattungsritual teil. Bereits am Donnerstag war ein Korso mit Särgen der Opfer von der Hauptstadt Sarajevo aufgebrochen, wo sie mit Gebeten verabschiedet worden waren. Bei den Leichnamen handelt es sich um neu identifizierte Opfer des Bosnienkriegs (1992-95). Sie waren laut bosnischen Behörden zum Zeitpunkt ihrer Ermordung zwischen 20 und 56 Jahre alt und wurden in verschiedenen Massengräbern entdeckt.
An die 950 Opfer gelten drei Jahrzehnte nach dem Massaker von Srebrenica immer noch als vermisst. Die Geheimhaltung von Massengräbern und eine weit verbreitete Völkermordleugnung von serbischer Seite erschweren das Zusammenleben zwischen den Volksgruppen bis heute. In einer gemeinsamen Erklärung hatten EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Erweiterungskommissarin Marta Kos am Freitag betont: In Europa ist kein Platz für Völkermordleugnung, Revisionismus oder die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher. Die Verantwortlichen in dem Balkanstaat und der Region seien aufgerufen, Verantwortung über Spaltung sowie Dialog über Konfrontation zu stellen.
Das Massaker von Srebrenica zählt zu den dunkelsten Kapiteln des Bosnienkrieges. Mehr als 8.000 muslimische Bosniaken wurden im Juli 1995 durch die bosnisch-serbische Armee und serbische Paramilitärs ermordet. Die Opfer waren zuvor in eine Schutzzone der Vereinten Nationen geflohen. Die UN-Vollversammlung hatte 2024 die Einführung eines internationalen Gedenktages am 11. Juli beschlossen – gegen den Widerstand Serbiens.
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