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Studie: Kirchlicher Glaube “immunisiert” gegen Rechtsextremismus

05. März 2020
Christentum, Kirche, Rechtsextremismus
Illustration: Pixabay

Bern/Leipzig (KNA) Laut einer Studie der Universitäten Bern und Leipzig kann kirchlicher Glaube im Osten Deutschlands gegen Rechtsextremismus “immunisieren”. Aberglaube geht dagegen in ganz Deutschland häufig mit rechtsextremen Einstellungen einher, erklärten die Wissenschaftler am Mittwoch in Bern und Leipzig. Während die Kirchen Weltoffenheit und Toleranz fördern könnten, sei Aberglaube mit einer simplen Weltsicht, Ethnozentrismus und Fremdenfeindlichkeit verbunden.

“Wir erklären dies damit, dass die kirchlich aktiven Menschen sich mit der offenen und toleranten Weltanschauung der Kirche identifizieren und eher zum Typus des radikalen Christen gehören, für den Nächstenliebe und Toleranz oberstes Gebot sind”, so der Leiter des Instituts für Empirische Religionsforschung an der Universität Bern und Co-Autor der Studie, Stefan Huber. Dies sei gerade im Osten Deutschlands der Fall, wo die Kirche beim Fall der Mauer 1989 eine wichtige Rolle gespielt habe, aber nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung konfessionell gebunden seien. Die kirchlich Aktiven, so ein weiteres Ergebnis der Studie, wählten im Osten signifikant seltener die AfD als Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben.

Zugleich zeigen die Forscher, dass im Osten wie auch im Westen Deutschlands Aberglaube mit rechtsextremen Einstellungen verbunden ist. “Der Glaube an Glücksbringer, Wahrsager, Horoskope und Wunderheiler geht häufig mit einer ethnozentrischen Sichtweise und rechtsextremen Einstellungen einher”, so Alexander Yendell vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig. Aberglaube hänge zudem eng mit dem Hang zu Verschwörungstheorien zusammen, die eine immer komplexer werdende Welt schlicht in Gut und Böse unterteilten.

Insgesamt kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass der evangelischen und der katholischen Kirche eine besondere Rolle im Kampf gegen Rechtsextremismus zuteil wird: Weil sich die Kirchen für zugewanderte oder geflüchtete Menschen und interreligiösen Dialog einsetzten, könnten sie dazu beitragen, Vorurteile etwa gegenüber dem Islam abzubauen.

Die repräsentative Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Projekts “Xenosophie und Xenophobie in und zwischen abrahamitischen Religionen” finanziert. Genutzt wurden Daten der Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) von 2018.

© KNA. Alle Rechte vorbehalten. (KNA - kknko-89-00082)
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