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Alevitischer Jugendverband kritisiert Ökumenischen Kirchentag

27. Oktober 2020
Aleviten, Atib, BDAJ, Interreligiösität, Milli Görüs, Ökumenischer Kirchentag

Berlin (KNA) Der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ) ist aus der Projektkommission “Forum Muslime und Christen” ausgetreten, weil darin auch die konservativen Islamverbände Zentralrat der Muslime und Islamrat sitzen. “Von diesen Verbänden geht eine Gefahr für Alevitinnen und Aleviten und andere Minderheiten in Deutschland aus”, sagte die Bundesvorsitzende des alevitischen Jugendverbands, Özge Erdogan, der “Welt” (Montag).

“Wir können es als alevitische Jugend nicht vertreten, im christlich-muslimischen Dialog mit Organisationen aus dem türkischen Rechtsextremismus und Islamismus zusammenzuarbeiten”, sagte die BDAJ-Vorsitzende. “Wir fühlen uns durch diese Verbände bedroht.” Die 28-Jährige ist überzeugt: “Offenbar sind die Darstellung von Offenheit und Vielfalt auf dem Ökumenischen Kirchentag wichtiger als Minderheitenschutz und Menschenrechte.”

Ein Sprecher des Ökumenischen Kirchentags teilte auf “Welt”-Anfrage mit, dass man umgehend das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen wolle. “Die Nachricht vom Rückzug des Bunds der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland aus der Projektkommission hat uns sehr überrascht”, sagte der Sprecher. Das breite Spektrum innerhalb der Projektkommission solle “dem dialogischen Ansatz gerecht werden”.

Erdogan reicht das offenbar nicht. “Es ist selbstverständlich richtig, dass die Kirchen nicht mit deutschen Rechtsextremen zusammenarbeiten. Es handelt sich jedoch um einen Doppelstandard, wenn trotzdem mit türkischen Rechtsextremen zusammengearbeitet wird.”

Beim Islamrat zeigte man sich überrascht. “Wir bedauern das plötzliche Ausscheiden der BDAJ-Vertreterin, ohne zuvor jemals in einen Austausch getreten zu sein”, sagte der Verbandsvorsitzende Burhan Kesici der Zeitung. Über solche interreligiösen Projekte bestehe immer auch die Chance, sich besser kennenzulernen und Differenzen beizulegen. “Weder von uns noch von unseren Mitgliedsgemeinden geht eine Gefahr für Aleviten oder andere Minderheiten aus”, so Kesici weiter.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz bewertet den größten Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime, die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (Atib), als zugehörig zu den türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfen und den größten Mitgliedsverband des Islamrats, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs, als islamistisch.

© KNA

Beitragsbild: Chickenonline via Pixabay

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