Kämpfe im libanesisch-israelischen Grenzgebiet spalten ganze Familien
Wie Christen auf beiden Seiten mit dem anhaltenden Konikt umgehen Die libanesische Terrororganisation Hisbollah muss weg, sagen Christen in Nordisrael. Sie unterstützen Israels Militärschläge, selbst wenn sie Verwandte auf der anderen Seite der Grenze haben. Von Andrea Krogmann (KNA) Banias/Jisch (KNA)
Christen im Norden Israels und im Süden Libanons verbindet mehr als der Glaube. Die blaue Linie, Demarkationslinie zwischen den verfeindeten Ländern, geht durch viele Familien. Auf israelischer Seite lassen die anhaltenden Kämpfe die Sorge um Verwandte drüben steigen. Eine Waenruhe sehen viele trotzdem als No-Go. Für Frieden brauche es eine Welt ohne die islamistische Terrororganisation Hisbollah, sagen sie – eine Einschätzung, die auch ihre Angehörigen im Libanon teilten.
Gloria Libani data est ei, die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben, steht auf dem Wappen des maronitischen Patriarchats. Weithin sichtbar klebt es auf drei Containern im Hof der maronitischen Kirche von Jisch im Norden Israels. Bald, hot Niveen Elias, können sie erneut gefüllt und mit Hilfe der israelischen Armee (IDF) in die drei christlichen libanesischen Dörfer Rmeisch, Ain Ebel und Debel gebracht werden. Viele in Jisch haben Familie in diesen Dörfern. Sie wollen ihre Dörfer nicht verlassen, um sie vor der Hisbollah zu schützen. Neveen Elias ist in Jisch geboren.
Die Maronitin ist Nachfahrin jener Christen, die am 13. November 1948 ihr Dorf Baram auf Geheiÿ der israelischen Armee verlassen haben, im Glauben, dass sie bald wiederkehren. Ihre Eltern blieben diesseits der Grenze, andere Familienmitglieder ohen in den Libanon. Die Situation meiner Cousins und Onkel im Libanon ist fürchterlich, aber sie wollen keine Waenruhe. Sie sagen, Hisbollah müsse ein für alle Mal erledigt werden, damit der Libanon maronitisch werden und Frieden zwischen beiden Ländern kommen könne, sagt sie. Vier Hilfstransporte in die Luftlinie keine zehn Kilometer entfernten Dörfer habe man aus der Gemeinde bereits organisiert, erzählt Neveen Elias, vier mal drei Container mit dem Wichtigsten.
Weitere Hilfslieferungen kämen mit anderen Organisationen über die IDF in den Libanon. Man gehe weiter gegen die Hisbollah im Südlibanon vor, ermögliche aber gleichzeitig in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen die sichere Lieferung humanitärer Hilfe, bestätigt die IDF der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Neveen Elias ist Reservistin im israelischen Militärgeheimdienst, ihr Sohn aktiver Soldat, der im jüngsten Krieg auch im Libanon im Einsatz war. Die Angst vor der Hisbollah und alle paar Jahre Krieg seien keine Lösung, weshalb die Israelin ihren Verwandten im Libanon zustimmt: Keine Waenruhe, solange der Hisbollah nicht das Handwerk gelegt sei. Wir sind stolz und beten für unsere Soldaten, und wir glauben, dass wir bald auf der anderen Seite der Grenze frühstücken und meine Onkel und Cousins uns hier besuchen werden, sagt sie.
Für Elias Moussas Vater käme dieser Moment zu spät. Vor zwei Wochen starb der Maronit in Beirut, nachdem ich ihn vor 27 Jahren das letzte Mal gesehen habe. Moussa hebt sein T-Shirt. Eine frische Tätowierung, die Haut noch rot, zeigt einen Mann in Gebetshaltung vor einem frischen Grab, meine Art, mit dem Schmerz umzugehen, sagt der libanesischstämmige israelische maronitische Christ. Mitten auf der Brust, zwischen zahlreichen weiteren religiösen Motiven unter der Haut: eine Narbe. Von einer Kugel, sagt er. Die eigentlichen Wunden aber seien in seinem Kopf und der Grund, dass er als Militärinvalide aus dem Dienst in einer Spezialeinheit der israelischen Armee schied.
Elias Moussas Geschichte ist kompliziert. So wie die der verlassenen maronitischen Kirche von Banias, die er in den letzten Monaten auf eigene Faust renoviert hat. Bis 1967 stand Banias unter syrischer Kontrolle. Im Sechstagekrieg nahm Israel das Dorf ein und machte es weitestgehend dem Erdboden gleich, von einer Moschee und der 1950 errichteten Kirche abgesehen. Die Bewohner ohen nach Syrien, in den Libanon. Vor Elias Zeit. Und vor der Hisbollah. Vor der schlichten Kirche mit dem leuchtend roten Dach breitet sich die Gebirgszüge Libanons und Syriens aus. Israelische Fahnen attern im Wind. Zwei Gedenktafeln auf dem mit Rindenmulch aufgeschütteten Gelände erinnern an die Gefallenen der südlibanesischen Armee (SLA) und der IDF, Kreuz und Davidstern inklusive; Elias Moussa, Kirjat Schmona, die Widmung des Spenders auf einer von ihnen. Meine Familie hat einen Bund mit Israel geschlossen, mein Groÿvater, mein Vater und ich, sagt Elias Moussa.
Er schmiss die Schule und trat der SLA bei, jener christlich dominierten Miliz, die Israel bei der Besatzung Südlibanons unterstützte, um unsere Stadt, unsere christliche Gemeinde zu schützen. Mit dem Abzug der israelischen Armee 2000 verlieÿ auch Elias den Libanon – und als 21-Jähriger seine Familie zurück. Jetzt ist der 48-Jährige Soldat des Herrn. Moussa war es, der die um 2020 im Libanon gegründete Gruppe ins Heilige Land brachte. Sie gilt als erzkonservativ, rechtsextrem und wird im Libanon für Angrie auf die LGTBQ-Gemeinde sowie für einen Cyberangri auf den Flughafen Beirut verantwortlich gemacht. Kontakt zu seiner Mutter und einem noch im Libanon lebenden Bruder habe er nur per Telefon, sagt Elias Moussa. Und dass er, selbst wenn er könnte, unter den gegenwärtigen Zuständen im Libanon nicht zurückginge.
Ich bin nicht glücklich in Israel. Es ist kein einfaches Land, überall herrscht Rassismus. Aber mit allen Problemen liebe ich dieses Land und dieses Volk. Moussa hot weiterhin auf den Frieden, glaubt aber nicht, dass er bald kommt. Gröÿer sei noch die Gefahr eines erneuten Bürgerkriegs im Libanon. 87 Prozent der Christen im Libanon wollen Frieden mit Israel. Das Problem ist die Hisbollah, sie ist eine Puppe in der Hand Irans, so Moussa. Und der Glaube der Schiiten, dass die Zerstörung Israels ein notwendiger Vorläufer für die Ankunft des Endzeiterlösers Mahdi sei. Der Libanon muss gegen Hisbollah aufstehen und gemeinsam mit Israel handeln, glaubt Elias Moussa. Wir müssen den Krieg zu Ende führen, bis die Hisbollah die Hände hebt und Frieden nach unseren Bedingungen akzeptiert, ein für alle Mal!
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