Christen in Not prangert moderne Sklaverei in Pakistan an

Obwohl Schuldknechtschaft in Pakistan seit 1992 verboten ist, bleiben viele Familien in Ziegelfabriken gefangen. Die Organisation Christen in Not aus Österreich fordert langfristige Hilfen und berufliche Perspektiven.
Wien/Islamabad (KNA) Schulden, Kinderarbeit und kaum Auswege aus der Armut: Die österreichische Hilfsorganisation Christen in Not kritisiert die Bedingungen in pakistanischen Ziegelfabriken. „Das ist moderne Sklaverei“, sagte Organisationsmitarbeiterin Larissa Eckhardt nach einem Besuch mehrerer Fabriken im Raum Lahore der Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag.
Viele Familien seien in einer generationsübergreifenden Schuldenspirale gefangen. Um ihre Schulden abzutragen, müssten sie täglich rund 1.000 Ziegel in Handarbeit herstellen. Dabei arbeiteten auch Kinder mit, teilweise bereits ab fünf Jahren, statt die Schule zu besuchen.
Wie prekär die Lage ist, zeigt laut Eckhardt das Beispiel einer fünfköpfigen Familie mit einem Monatseinkommen von 0.000 pakistanischen Rupien (rund 97 Euro). Nach Abzügen für Schuldenraten, Strom und weitere Kosten blieben wöchentlich oft nur drei bis fünf Euro zum Leben. Reiche das Geld nicht, müssten neue Kredite aufgenommen werden. Schulden würden teils an die Kinder vererbt.
Besonders betroffen seien religiöse Minderheiten. Nach Beobachtungen des Projektpartners, einer katholischen Ordensgemeinschaft, seien rund 70 Prozent der Familien in den besuchten Fabriken christlich. Auch Frauen seien besonders gefährdet: Neben der Ziegelproduktion müssten sie Kinder versorgen und den Haushalt führen und seien einem erhöhten Missbrauchsrisiko ausgesetzt.
Obwohl Schuldknechtschaft in Pakistan seit 1992 gesetzlich verboten ist, werde das Gesetz unzureichend durchgesetzt. Laut einem Bericht der Nationalen Menschenrechtskommission vom August 2025 hatten 86 Prozent der befragten Arbeiter in der Provinz Punjab noch nie Arbeitsinspektoren auf dem Fabrikgelände gesehen.
Die kooperierende Ordensgemeinschaft habe bereits 15 Familien aus der Schuldknechtschaft freigekauft. Ein Schuldenerlass allein reiche jedoch nicht aus, betonte Eckhardt. Nötig seien sichere Unterkünfte, dauerhaftes Einkommen, Bildung und berufliche Alternativen. Christen in Not wolle deshalb gemeinsam mit dem Partner ein langfristiges Hilfskonzept entwickeln. „Wegschauen, das geht gar nicht“, so Eckhardt.
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