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Islamischer Theologe sieht Verbindung von Islam und Extremismus

04. August 2016
Terrorismus

Köln (KNA) Der Freiburger islamische Theologe Abdel-Hakim Ourghi lobt die Haltung von Papst Franziskus, der sich gegen eine Gleichsetzung von Islam und Gewalt wendet. Zugleich kritisierte er aber am Dienstag im Deutschlandfunk weitergehende Aussagen von anderer Seite: “Es ist einfach nicht mehr vertretbar zu behaupten, dass der Islam nichts mit dem Extremismus zu tun hat oder dass die Extremisten keine Muslime sind.”

Der Islam befinde sich zurzeit in einer Sinnkrise, betonte der Leiter des Fachbereichs Islamische Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Freiburg weiter: “Und die Islamis-ten oder die IS halt, die beten in Moscheen und berufen sich auf den Koran und die Tradition des Propheten und legitimieren ihre Gewalt dadurch und sie betrachten sich als Muslime.”

Bei Papst Franziskus und seinen Aussagen auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Krakau spüre er die “Demut von einem Oberhaupt, der sich nicht über einen anderen stellt und auch nicht eine mono-theistische Religion verurteilt.” Er finde es “lobenswert” und eine “liebe Haltung”, so Ourghi wörtlich, dass der Papst den Islam insgesamt nicht als terroristisch oder gewalttätig brandmarke. Allerdings gebe es durchaus viele Islamisten, die sich auf bestimmte “Koransuren und das politische Handeln des Propheten selbst” beriefen und diese als direkte Anleitung für ihre Taten interpretierten.

Auch in Deutschland müsse man stärker hinterfragen, welcher Islam sich hier etabliert habe, forderte der Experte weiter. Die muslimischen Dachverbände seien “meilenweit entfernt” von einem aufge-klärten, humanistischen Islam. In einigen ihrer Gemeinden und Moscheen beobachte er eine gefähr-liche Radikalisierung.

Verbände wie die Ditib oder der Zentralrat der Muslime “vertreten die Interessen ihrer Herkunftslän-der und sie sind unserem Staat nicht loyal gegenüber”, kritisierte Ourghi. Deshalb rate er auch den Kirchen davon ab, mit den konservativen Dachverbänden zusammenzuarbeiten. Es sei lobenswert, wie Kirchen und auch Politiker sich für einen Dialog mit den Dachverbänden einsetzten, aber diese seien die falschen Ansprechpartner. In ihren Moscheen werde zudem durch sogenannte “Import- Imame” ein sehr konservativer Islam gepredigt, so der Islamwissenschaftler. Das politische System in der Türkei habe einen großen Einfluss.

Mit Blick auf die Pro-Erdogan-Kundgebungen in Köln sagte er, es sei fatal zu sehen, dass die zweite und dritte Generation, die hier sozialisiert seien, “für die Interessen eines Tyrannen” auf die Straßen gingen. Sie unterstützten einen “Diktator”, der Islam und Nationalismus vermische.

(KNA – qkskm-89-00008)

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