Vatikan wirbt für Religionsdialog – gegen Hass und Spaltung
In einer zunehmend vielfältigen und zugleich konfliktreichen Welt ruft der Vatikan zu mehr Verständigung zwischen den Religionen auf. Wo 60 Jahre nach der Erklärung „Nostra aetate“ die Schwierigkeiten liegen.
Vatikanstadt (KNA) Der Vatikan fordert mehr weltweiten Einsatz für Religionsvielfalt und Toleranz. In dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument „Ein Weg der Hoffnung“ wendet sich die katholische Kirche gegen Christenverfolgung, Antisemitismus und Islamophobie.
„Wie können wir den Ruf nach universaler Geschwisterlichkeit in Gesellschaften, die von wachsender kultureller und religiöser Vielfalt sowie von Krieg und Gewalt geprägt sind (…) in die Praxis umsetzen?“, lautet der Ausgangspunkt der Note. Verfasst wurde sie anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Sie war das erste offizielle Dokument, in dem die katholische Kirche die anderen Religionen positiv würdigte.
Die Note bekräftigt das gemeinsame Erbe und die Solidarität mit dem jüdischen Volk. Neben dem gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus sind auch die Konflikte im Nahen Osten ein Thema. Hier seien zwar „viele Kommunikationsbrücken ins Wanken geraten“ und würden weiter auf die Probe gestellt, so die Note. Dennoch seien die Säulen des Dialogs stabil – darauf müsse weiter aufgebaut werden.
Zugleich verurteilen die Verfasser Islamophobie im Westen, die nicht angemessen zwischen Fundamentalismus und Gewalt einerseits und dem friedlichen Leben muslimischer Gläubiger andererseits unterscheide. „Wir müssen jenen christlichen Gemeinschaften danken, die im Geiste der Gastfreundschaft sowie eines besseren Verständnisses und einer größeren Wertschätzung gegenüber muslimischen Gläubigen gewachsen sind“, heißt es.
Gleichzeitig blieben Schwierigkeiten im Dialog. In einigen Regionen sei insbesondere das Zusammenleben von Muslimen und Christen durch historische Konflikte geprägt, was das Vertrauen erschwere. Anderswo untergrüben Fundamentalismus, Vorurteile und politische Manipulation religiöser Zugehörigkeiten oder Gewalt im Namen Gottes die Grundlagen des Dialogs. In säkularisierten Gesellschaften werde das Religiöse manchmal an den Rand gedrängt oder instrumentalisiert.
„Angesichts derer, die Spaltungen schüren und Konflikte vorbereiten, sind heute die Gläubigen der verschiedenen Traditionen und an erster Stelle ihre Oberhäupter (…) aufgerufen, mit Klarheit und Hoffnung nach den Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben zu suchen“, so die Verfasser. Die Geschwisterlichkeit unter Gläubigen verschiedener religiöser Traditionen sei kein bloÿes Ideal, sondern eine moralische, geistliche und soziale Notwendigkeit.
Der knapp 30 Seiten umfassende Aufruf, der bei allen Religionen für Respekt, Dialog und ein friedliches Zusammenleben wirbt, wurde von drei Kurienbehörden gemeinsam verfasst: den Dikasterien für die Glaubenslehre, für die Förderung der Einheit der Christen und für den interreligiösen Dialog.
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