Mehr als 700 Moscheen begehen Tag der offenen Moschee
Der Termin liegt bewusst auf dem 3. Oktober: Der Tag der offenen Moschee soll auch die Zugehörigkeit von Muslimen zu Deutschland betonen. In diesem Jahr öffnen dafür mehr als 700 islamische Gotteshäuser ihre Türen.
Köln (KNA) Mehr als 700 Moscheen in Deutschland haben am Samstag ihre Türen für Besucher geöffnet. Der bundesweite Tag der offenen Moschee fand in diesem Jahr zum 30. Mal statt. Unter dem Motto „Moscheen als Träger gesellschaftlicher Verfasstheit“ luden muslimische Gemeinden zu Führungen, Gesprächen und Diskussionsveranstaltungen ein. Allein in Köln besuchten nach Angaben des Religionsverbandes Ditib rund 5.000 Besucherinnen und Besucher die DITIB-Zentralmoschee.
Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide rief die muslimischen Gemeinden zu einem Signal für einen weltoffenen Islam auf. Er sagte im Deutschlandfunk, die Gemeinden müssten hinterfragen, was sie aktiv für demokratische Werte und gegen Antisemitismus beitrügen.
Gerade nach Gewalttaten wie dem Anschlag am Rande des diesjährigen Berliner Christopher Street Day müssten muslimische Gemeinden offen für Selbstkritik sein, fügte der Münsteraner Islamwissenschaftler hinzu. Es bestehe die Gefahr, dass Vertreter des Islams auf einer Seite die Gewalt verurteilten, aber sich auf der anderen fragen müssten, ob sie die theologische Grundlage lieferten.
Gleichzeitig sei der Tag der offenen Moschee ein Tag der Begegnungen, mit dem Ressentiments auf der Gegenseite abgebaut werden könnten. Khorchide, der Direktor des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster ist, erklärte, die Assoziation des Islams mit Gewalt finde besonders in Regionen statt, in denen es weniger Muslime gebe.
Khorchide erklärte außerdem, viele muslimische Gemeinden seien weiterhin durch ehemalige Gastarbeiterstrukturen nach Herkunft der Mitglieder geprägt. Es sei jedoch wichtig, herauszufinden, wie man sich als deutscher Muslim identifizieren könne – indem hinterfragt würde, wie man etwa den Koran vor dem Hintergrund demokratischer Grundwerte und heutiger Erkenntnisse interpretieren könnte.
Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) erklärte im Vorfeld, Moscheen seien nicht nur Orte des Gebets und der Spiritualität, sondern unter anderem auch Orte der Bildung, Beratung, Jugendarbeit, Nachbarschaft und des gesellschaftlichen Dialogs. Der Aktionstag nehme zugleich das 77-jährige Bestehen des Grundgesetzes in den Blick.
Der bundesweite Tag der offenen Moschee wurde 1997 auf Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland ins Leben gerufen. Seither findet er jährlich am 3. Oktober statt. Mit der Wahl des Tags der Deutschen Einheit wollten die beteiligten muslimischen Verbände die Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland unterstreichen.
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