Papst beginnt Spanien-Reise mit Mahnung gegen Populismus

Leo XIV. schlägt bei seiner Ankunft in Madrid europapolitische Töne an: ein Lob der Einheit in Vielfalt und der Komplexität – gegen identitäre Angstmacher. Botschaften an Trump und Putin gibt es obendrauf.

Madrid (KNA) Mit einer Mahnung gegen „fruchtlose Vereinfachungen“ des Populismus und gegen Polarisierung hat
Papst Leo XIV. eine einwöchige Spanienreise begonnen. Vor Politikern und internationalen Diplomaten nannte er es eine
Berufung Europas, Vielschichtigkeit „als Segen anzunehmen“.

In seiner Rede in Madrid verwies er auch auf die historische Präsenz des Islam in Spanien und auf den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden. Auf dem Programm des Papstes steht neben einer Rede vor dem bitter gespaltenen spanischen Parlament am Montag auch ein Besuch im Kloster Montserrat, Hort des katalanischen Nationalismus. Zum Ende der Reise besucht er die Kanarischen Inseln, Ziel vieler irregulärer Einwanderer in die EU.

Am Samstag war Leo XIV. vom spanischen Königspaar Felipe VI. und Leticia sowie von Zehntausenden in den Straßen Madrids herzlich willkommen geheißen worden. In der Ansprache im Königspalast ermutigte er, die Komplexität der gesellschaftlichen Wirklichkeit anzuerkennen. Man müsse „jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern“.

Auf dem Flug von Rom verurteilte der Papst erneut den Iran-Krieg. Er widersprach der Behauptung der USamerikanischen Führung, ihr ohne UN-Mandat begonnener Angriff auf den Iran sei ethisch durch das theologische Konzept eines gerechten Krieges“ gedeckt. Im Iran gebe es „keinen gerechten Krieg“, sagte Leo XIV.

„Das Problem ist, dass die Theorie des ‚gerechten Krieges‘ Jahrhunderte zurückliegt. Sie hat die Waffen und die Zerstörungskraft, die der Mensch heute besitzt, nicht einmal vorausgeahnt.“ Ebenfalls auf der Anreise rief der Papst den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Verhandlungen mit der Ukraine auf. Putin hatte zuvor ein Gesprächsangebot des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij abgelehnt. Leo XIV. sagte: „Man sollte zu Verhandlungen zurückkehren. Man muss Druck ausüben, damit Gewalt und Krieg enden und eine Lösung gefunden wird.“

Der Papst begrüßte, dass inzwischen auch in den USA die politischen Kräfte stärker würden, „die ihre Unterstützung anbieten“. Auf die Frage nach einem möglichen Deutschlandbesuch sagte Leo XIV., er hoffe, dass dies möglich sei. Entsprechende
Pläne gebe es, aber noch ohne konkreten Zeitplan. Zugleich bekannte er, sich persönlich bereits vorzubereiten: „Ich lerne
spät in der Nacht Deutsch, tagsüber habe ich praktisch keine Zeit dafür“, sagte er.

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