Religionsvertreter: Dialog muss gewollt und ermöglicht werden
Gemeinsamkeiten entdecken und sich mit Respekt begegnen: Das sind zentrale Bausteine für den interreligiösen Dialog. Dass das kein Selbstläufer ist, unterstrichen Fachleute auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle. Bonn (KNA)
Interreligiöser Dialog muss nach Worten von Vertreterinnen und Vertretern des Christentums, Judentums und Islams gewollt und letztlich auch ermöglicht werden. Ein Miteinander entstehe nicht automatisch, sondern müsse kultiviert werden, sagte Dzevada Garic, Professorin an der Sarajevo School of Science and Technology, am Mittwoch beim Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn. Dazu gehöre der Wille, den anderen zu akzeptieren.
Gesellschaften würden widerstandsfähig, wenn sie Diversität als Reichtum verstünden. Garic, eine führende Vertreterin der islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, unterstrich universelle Werte, allen voran die Würde. So sei es möglich, Menschen mit Respekt zu begegnen. Sie warb für persönliche Begegnungen: Koexistenz passiert nicht in Konferenzräumen. Garic sagte, sie sehe vor allem junge Menschen als Brückenbauer und die Bedeutung von Frauen, wenn es um ein friedliches Miteinander geht.
Bildung müsse zeigen, welche Gemeinsamkeiten Religionen hätten. Die Palästinenserin Sally Azar, Pastorin der EvangelischLutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, sagte, der erste Schritt sei, zusammenzusitzen und einander zuzuhören. Zugleich gebe es aber auch Misstrauen sowie eine Kluft, wenn es um das gegenseitige Verstehen gehe.
Restriktionen für Palästinenser im besetzten Westjordanland machten es darüber hinaus sehr schwierig, Menschen für einen Dialog zusammenzubringen. Auch lebten Anhänger unterschiedlicher Religionen etwa in Jerusalem zwar nebeneinander, aber sie kommunizierten oft nicht miteinander. Der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, unterstrich die Bedeutung des Dialogs: Wie können wir die Zukunft zusammen bauen? Dabei sei eine Zusammenarbeit mit Journalisten hilfreich.
Goldschmidt, der über Zoom zugeschaltet war, würdigte die Arbeit von Medien, kritisierte zugleich aber auch die Existenz von Narrativen und teils fehlende Objektivität. Nötig seien Medien, denen alle vertrauen könnten. Um ein Miteinander zu fördern, könnten Medien auf Beispiele von Koexistenz hinweisen, empfahl Garic. Azar würdigte die Rolle von Sozialen Medien, über die man miteinander in Kontakt bleiben könne. Zum Global Media Forum waren mehr als 160 Sprecher aus über 100 Ländern und mehr als 1.500 Teilnehmer angereist. Die zweitägige Konferenz des deutschen Auslandssenders endete am Mittwoch.
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