Muslimisches Gebetsschild in Bayern beschmiert – und gleich gereinigt
Kaum aufgehängt, schon beschmiert – aber auch umgehend wieder sauber gemacht: Das bundesweit wohl erste Hinweisschild auf muslimische Gebetszeiten im oberbayerischen Penzberg hat ein turbulentes Wochenende hinter sich.
Penzberg (KNA) Am Dienstag war das Hinweisschild – eine bundesweite Einmaligkeit – für muslimische Gebetszeiten im
bayerischen Penzberg angebracht worden; Samstagfrüh war es bereits nicht mehr zu lesen, weil Unbekannte es vollkommen mit schwarzer Farbe beschmiert hatten. Doch das blieb nicht lange so. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sorgten umgehend dafür, dass die Information inzwischen wieder zu lesen ist, wie der Bayerische Rundfunk (BR) am Wochenende berichtete.
„Ich war wirklich sehr traurig, weil solche Dinge gehören zu Penzberg nicht“, sagte Imam Benjamin Idriz dem BR. Zuvor hatte er auf Instagram ein Bild mit dem verschmierten Schild geteilt. Dass dieses nun wieder sauber gemacht worden sei, zeige wiederum das wahre Gesicht dieser Stadt. Hier lebten Menschen, die Zivilcourage leisteten, die einfach klare Signale sendeten. „Wir sind zusammen.“
Bürgermeister Thomas Kopf sagte dem Sender, er habe nichts veranlassen müssen, der Bauhof sei selbstständig tätig geworden und habe das Schild gereinigt. „Für mich ist es eigentlich nur ein Zeichen, dass hier die Bürger und auch die Mitarbeiter der Stadt einfach super zusammen helfen und dafür sorgen, dass dieses Miteinander eben auch funktioniert.“
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte sich im BR zu dem Fall auch zu Wort gemeldet und das Beschmieren eines Hinweisschildes zum Freitagsgebet als inakzeptabel bezeichnet. „Die religiöse Vielfalt gehört zu Bayern. Sie ist Ausdruck der Freiheit und des demokratischen Selbstverständnisses unseres Landes. Diese Werte zu schützen und zu stärken, ist unsere gemeinsame Verantwortung.“
Die Tafel hängt am Ortseingang als unterstes von drei Schildern gemeinsam mit dem der katholischen und der evangelischen Kirche. Sie war erst am Dienstag offiziell aufgehängt worden. Drei weitere Schilder sind auch an den übrigen Ortseingängen geplant. Die Gottesdienst-Schilder gehen auf eine Verordnung des Bundesinnenministeriums von 1960 zurück. Sie erlaubte katholischen und evangelischen Gemeinden das Aufstellen der Hinweistafeln an Ortseingängen. 2008 gab das Bundesverkehrsministerium ein Schreiben heraus, das diese Erlaubnis auf alle Religionsgemeinschaften ausweitete.
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