Misereor kritisiert Bundesregierung für Umgang mit Taliban
Vor fünf Jahren übernahmen die islamistischen Taliban die Macht in Afghanistan. Seitdem hat sich die Menschenrechtslage deutlich verschlechtert. Misereor fordert mehr Unterstützung von der Bundesregierung.
Aachen (KNA) Das katholische Hilfswerk Misereor wirft der Bundesregierung eine De-facto-Zusammenarbeit mit der islamistischen Taliban in Afghanistan vor. Die Bundesregierung stimme Abschiebungen afghanischer Straftäter bilateral mit
dem Regime ab und plane weitere Abschiebungen von Menschen ohne Vorstrafen, kritisierte das Hilfswerk am Mittwoch in Aachen. Am Samstag jährt sich die Machtübernahme des islamistischen Terrorregimes in Afghanistan zum fünften Mal.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) habe erklärt, das „De-facto-Regime“ nicht anerkennen zu wollen, tue dies jedoch zunehmend direkt, so das Hilfswerk. Die Botschaft in Berlin und das Generalkonsulat in Bonn würden bereits offiziell von Taliban-Vertretern geleitet, die dazu Visa und eine Erlaubnis der Bundesregierung erhalten hätten.
„Ist es für die deutsche Bundesregierung nicht mehr so schlimm, dass ältere Mädchen und Frauen von jeglichen Bildungsangeboten kategorisch ausgeschlossen werden, dass Kinder ab zwölf Jahren verheiratet werden dürfen, dass Körperstrafen bis hin zu Steinigung von Frauen, die angeblich Ehebruch begehen oder von zu Hause weglaufen, Praxis in Afghanistan sind?“, kritisierte Misereor-Geschäftsführer Bernd Bornhorst. Statt Solidarität und Unterstützung mit der leidenden Bevölkerung zu zeigen, signalisiere Deutschland die Anerkennung des Unrechtsregimes.
Gelder für humanitäre Hilfe, Bildung und Entwicklung habe die Regierung gekürzt, so Bornhorst. Die Arbeit für Hilfswerke werde vor Ort immer schwieriger. Die Bundesregierung fordert er auf, die Kontakte zu den Taliban zu nutzen und für einen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Bildung zu sorgen.
Laut Angaben sind rund 45 Millionen Afghaninnen und Afghanen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 3,7 Millionen Kinder leiden demnach unter Hunger, 14 Millionen Menschen gelten als von Hunger bedroht.
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