Erneut islamfeindliche Hetze in Penzberg – Brief mit NSU-Verweis
Erst wurden Gottesdiensttafeln beschmiert, nun sind Hassbriefe aufgetaucht: Die muslimische Gemeinde im oberbayerischen Penzberg kommt nicht zur Ruhe. Ihr Imam erhebt jetzt eine Forderung.
Penzberg (KNA) Im oberbayerischen Penzberg gibt es schon wieder anti-islamische Hetze. Nachdem dort in den vergangenen Wochen mehrfach ein Schild mit Hinweisen zu muslimischen Gebetszeiten beschmiert wurde, ist nun ein Hassbrief aufgetaucht, wie der örtliche Imam Benjamin Idriz am Donnerstag auf Instagram mitteilte. „Ein anonymer Brief mit falscher Absenderadresse, voller Beleidigungen, Hass und Hetze gegen Muslime, wurde nicht nur mir, sondern auch anderen Persönlichkeiten in Penzberg zugestellt“, so Idriz.
In dem mehrere Seiten umfassenden Brief sind demnach diverse karikaturartige Darstellungen von Muslimen zu sehen, außerdem Schriftzüge wie „gib Islam keine Chance“ und „Respekt für Deutsche Genetik und Kultur – NSU 2.0“.
Idriz mahnte: „Solche Vorfälle dürfen wir nicht als Randerscheinung abtun. Der Hass gegen den Islam und gegen Musliminnen und Muslime nimmt spürbar zu.“ Penzberg habe in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt, dass die Stadtgesellschaft zusammenstehe und sich mit ihren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern solidarisiere. „Dafür bin ich sehr dankbar.“
Der Geistliche ergänzte: „Was ich jedoch weiterhin vermisse, ist eine ebenso klare, unüberhörbare öffentliche Positionierung der demokratischen Parteien gegen antimuslimischen Rassismus. Wer zu Recht gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und jede andere Form von Menschenfeindlichkeit aufsteht, muss mit derselben Entschlossenheit auch Islam- und Muslimfeindlichkeit entgegentreten.“
Hass dürfe man nicht erst ernst nehmen, wenn aus Worten Taten würden, verlangte Idriz. „Unsere Demokratie braucht eine klare Stimme gegen jede Form von Hass und Menschenfeindlichkeit – ohne Ausnahme und ohne doppelten Maßstab.“
In Penzberg war Ende Juli an einem Ortseingang erstmals ein Hinweisschild mit Verweis auf muslimische Gebetszeiten angebracht worden – laut Idriz eine bundesweite Premiere, die im Dialog mit katholischer und evangelischer Kirche zustande
kam. Binnen kurzer Zeit wurde die Tafel daraufhin mehrfach beschmiert und zudem mit dem Symbol der rechtsextremistischen und neonazistischen Gruppierung „Der III. Weg“ beklebt.
Ende August erwischte die Polizei dann einen 23-Jährigen, wie dieser das Islam-Schild mit Lackspray besprühte. Nach Angaben der Kripo laufen die Ermittlungen, ob der Mann für weitere Vorfälle dieser Art verantwortlich ist. Ein Ergebnis sei erst in einigen Wochen zu erwarten. Ob die jetzigen Briefe mit den Schmierereien in Zusammenhang stünden, sei jetzt zu prüfen.
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