Schulz weist Kritik an liberaler Berliner Moschee zurück

Berlin (KNA) SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat die Vorwürfe der Türkei gegen die neugegründete liberale Moschee in Berlin scharf verurteilt.

Die „Angriffe“ seien „unerträglich“, sagte Schulz dem „Tagesspiegel“. Im Islam gebe es unterschiedliche Strömungen – genau wie im Christen- oder Judentum. Für jede dieser Strömungen gelte die Religionsfreiheit. „Das ist in Deutschland selbstverständlich. Und das sollte es auch in allen anderen Ländern sein.“ Schulz reagierte auf den Vorwurf der türkischen Religionsbehörde Diyanet, wonach die Berliner Moschee ein Projekt der Gülen-Bewegung sei. Zudem kritisierte Diyanet, in der liberalen Moschee würden die „Grundsätze unserer erhabenen Religion missachtet“.

Die Behörde in Ankara sprach von einem „Projekt des Religionsumbaus“, die unter Federführung der Gülen-Bewegung „und ähnlichen unheilvollen Organisationen“ betrieben werde. Die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich, ohne allerdings Belege anzuführen. Auch die Fatwa-Behörde in Ägypten sprach sich in scharfer Form gegen die von der türkischstämmigen Frauenrechtlerin Seyran Ates gegründete liberale Einrichtung aus.

Es verstoße gegen die islamischen Glaubenspflichten, wenn sich Frauen gegen das Tragen eines Kopftuchs entschieden, wie in der neuen Moscheegemeinde üblich. Dies sei keine Diskriminierung von Frauen, so die FatwaBehörde Dar al-Iftam auf ihrer Facebook-Seite, sondern entspreche den von Gott auferlegten Regeln.

Besonders verurteilt das Dar al-Iftam das in der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee praktizierte gemeinsame Gebet von Männern und Frauen. „Der Islam verbietet Körperkontakt zwischen Männern und Frauen während des Gebetes. Denn das verletzt die Grundlagen des islamischen Rechts.“ Frauen sei zudem nicht erlaubt, Imam zu sein, wenn auch Männer anwesend sind.

Auch die Kairoer Behörde sprach von einem Angriff auf den Islam. Es handele sich nicht um eine Moschee.  Die Anwältin, Buchautorin und liberale Muslimin Seyran Ates hatte die Moschee am Freitag eröffnet. Sie soll Sunniten, Schiiten und Anhängern anderer islamischer Glaubensrichtungen offenstehen. Frauen müssen beim Gebet kein Kopftuch tragen und können auch als Vorbeterin fungieren. Sie fühle sich in den anderen deutschen Moscheegemeinden als Frau diskriminiert, begründete Ates ihr Projekt. Als Räumlichkeit hat sie einen Raum in der evangelischen Johanniskirche im Stadtteil Moabit gemietet.

(KNA – rkqml-89-00214)