Bosbach sieht Ditib als politischen Arm Erdogans

Berlin (KNA) Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sieht den deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib in erster Linie als verlängerten Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Mit Blick auf Berichte, Ditib-Imame hätten in deutschen Moscheen zu Gebeten für einen türkischen Sieg gegen die Kurden aufgerufen, sagte er der „Heilbronner Stimme“ (Mittwoch): „Das zeigt wieder einmal sehr deutlich, dass sich Ditib in erster Linie nicht als religiöse Instanz, sondern als politischer Repräsentant des türkischen Staates und ihres Präsidenten Erdogan versteht und hier die Aufgabe hat, bei den Gläubigen für dessen Politik zu werben.“ Es stelle sich deshalb die Frage, ob Ditib „weiterhin als staatlicher Partner akzeptabel ist“.

Die Ditib wurde zuletzt wiederholt wegen ihrer Nähe zur türkischen Regierung zur Religionsbehörde Diyanet kritisiert. So sollen Ditib-Imame vermeintliche Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland bespitzelt haben. Am Dienstagabend hatte auch der Leiter der Christlich-islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz (Cibedo), Timo Güzelmansur, das Vorgehen der Ditib kritisiert. „Es ist verheerend, wenn religiöse Organisationen kriegerische Auseinandersetzungen befürworten. Religion sollte Frieden stiften“, sagte er im Interview mit domradio.de.

Zugleich betonte er, der Aufruf zum Gebet für den Sieg der türkischen Truppen in Afrin sei von Diyanet in Ankara gekommen. Aufgerufen, ihn umzusetzen, seien aber die von der Türkei entsandten und für Ditib tätigen Imame. Güzelmansur warnte zugleich vor einem Überschwappen des türkisch-kurdischen Konflikts nach Deutschland. Er betonte, es handle sich im Norden Syriens nicht um einen religiösen Konflikt, obwohl der Präsident der türkischen Religionsbehörde, Ali Erbas, von einem heiligen Krieg spreche. Auf beiden Seiten stünden sunnitische Muslime. „Meines Erachtens wird hier eine national-politische Auseinandersetzung im religiösen Gewand ausgetragen.“

Unterdessen verurteilte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) Anschläge auf zwei Moscheegemeinden in Deutschland. Die Kämpfe im Norden Syriens würden zum Anlass genommen, um vermehrt gegen türkische Einrichtungen und insbesondere Moscheen zu hetzen und den Terror nach Deutschland zu tragen. Bei Anschlägen auf Moscheegebäude des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib in Minden und Leipzig wurden Wände beschmiert, Fenster eingeschlagen und Sachschäden verursacht. Der KRM verwies auch auf gewalttätige Auseinandersetzungen auf dem Flughafen in Hannover; dort hatten sich am Montag kurdische Demonstranten und die Fluggäste einer türkischen Airline eine Massenschlägerei geliefert. „Wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste und rufen alle Menschen zu Ruhe und Besonnenheit auf“, erklärte die Arbeitsgemeinschaft der vier größten islamischen Organisationen in Deutschland. Es sei besorgniserregend, dass ein ausländischer Konflikt nach Deutschland hineingetragen werde.

(KNA – sklmo-89-00132)