Wüst verteidigt gesellschaftliche Vielfalt – Reise in Türkei startet
Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte machen sich nach den jüngsten Landtagswahlen Sorgen, sagt Hendrik Wüst. Der NRW-Ministerpräsident reist jetzt in die Türkei – und sendet eine deutliche Botschaft.
Düsseldorf/Ankara (KNA) Vor Beginn seiner Türkei-Reise verteidigt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die kulturelle Vielfalt in Deutschland. „Wir haben viele Millionen Menschen mit Wurzeln in anderen Ländern bei uns. Sie machen sich mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse jetzt Sorgen“, sagte er in einem Interview türkischer Medien, das am Montag erschien.
Er versprach, „dafür zu sorgen, dass dieses Land zusammenbleibt und dass alle Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Herkunft hier sicher und friedlich miteinander leben können“. Das Interview führten die türkische Zeitung „Hürriyet“ und die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi.
In NRW wird kommendes Frühjahr ein neuer Landtag gewählt. Angesprochen auf die Wahlerfolge der AfD in anderen Bundesländern sagte Wüst: „Was mir Sorge macht: Viele Menschen haben das Gefühl, sie könnten ihre Anliegen bei den etablierten Parteien gar nicht mehr vorbringen. Und das ist gefährlich.“ Die Energiekosten und die Migrationspolitik hätten die Leistungsfähigkeit des Landes und der Menschen an die Grenze getrieben. „Und das zu benennen, ist notwendig. Genauso wie daraus politische Konsequenzen zu ziehen.“
Wüst startet an diesem Montag zu einem dreitägigen Besuch in Ankara und Istanbul. Dort wird er laut Regierungskreisen politische Gespräche führen, eine Wirtschaftskonferenz besuchen und als Co-Gastgeber bei einem Empfang zum Tag der Deutschen Einheit auftreten. Zudem soll er dem früheren Kapitän der Fußballnationalmannschaft, Ilkay Gündogan, eine Auszeichnung für gesellschaftlichen Zusammenhalt überreichen.
Ein Anlass der Reise ist der 65. Jahrestag des deutschtürkischen Anwerbeabkommens. Es öffnete 1961 erstmals einer großen Zahl von Menschen aus der Türkei und dem islamischen Kulturraum die Tür zum deutschen Arbeitsmarkt. Bis zum Anwerbestopp 1973 reisten rund 870.000 Frauen und Männer aus der Türkei in die Bundesrepublik ein, um hier zu arbeiten.
Heute lebt in Deutschland etwa jeder dritte Türkeistämmige in NRW. Das entspricht rund einer Million Menschen an Rhein und Ruhr. Das jährliche Handelsvolumen zwischen der Türkei und dem Bundesland liegt bei 10 bis 12 Milliarden Euro. Es macht somit rund ein Fünftel des gesamten deutsch-türkischen Handelsvolumens aus.
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