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Jüdisches Studienwerk: Vieles mit Muslimen gemeinsam

01. Oktober 2019
ELES, Gemeinsamkeiten, Islam, Judentum, Jüdisches Studienwerk
Gemeinsamkeiten. Bild: Pixabay

Berlin (KNA) Nach Einschätzung des jüdischen Studienwerks ELES gibt es zwischen Juden und Muslimen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Sie stünden “sich nicht so antithetisch gegenüber, wie Nicht-Juden und Nicht-Muslime das oft denken”, erklärte ELES-Geschäftsführer Jo Frank am Montag in Berlin in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zum zehnjährigen Bestehen des Studienwerks. Trotz Spannungen zwischen beiden Religionsgemeinschaften gebe es auf gesellschaftlicher Ebene mehr, “das uns eint, als was uns trennt: etwa die Migrationserfahrung, die religiöse Praxis”.

Auf politischer Ebene “gibt es vieles, über das wir zu streiten haben – manchmal auch schmerzvoll. Wie unser Verhältnis ist, das möchten wir jedenfalls gern selbst bestimmen”, so Frank weiter. ELES unterhält seit Anfang dieses Jahres eine Denkfabrik mit dem muslimischen Studienwerk Avicenna.

Frank rief zum Kampf auf “gegen Populisten, die eine plurale Gesellschaft mit Homogenisierungsfantasien infrage stellen”. Die Partei AfD gebe “sich als Freund der jüdischen Gemeinschaft, wendet sich dabei gegen Muslime und weitere Minderheiten auf eine Art, die gegen Juden in Deutschland nicht möglich wäre”, sagte Frank. “Wer heute Moscheen verhindert, verhindert morgen Synagogen.” Alle zivilgesellschaftlichen Akteure hätten “eine gemeinsame Verantwortung für unsere Gesellschaft – ob sie dabei durch unsere religiösen oder weltanschaulichen Einstellungen geformt sind, ist sekundär. Von Vielfalt profitieren alle, niemand verliert dadurch”, so der ELES-Geschäftsführer.

Frank äußerte sich auch zur bleibenden Bedeutung des Völkermords der Nationalsozialisten an den Juden. Die jüdische Gemeinschaft werde “immer verbunden sein mit der Shoah. Das wird sich nie ändern. Aber dass jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr als etwas wahrgenommen wird, das Verwunderung hervorruft, das wird früher kommen, als man jetzt vermutet”, so Frank. Daran habe auch die neue Generation ihren Anteil, die mit jüdischer Identität ganz anders umgehe. In der Kultur und den Künsten gebe es inzwischen eine Vielzahl jüdischer Akteure, ebenso in den Wissenschaften und den Medien. Seit der Gründung im Jahr 2009 hat ELES rund 800 Studierende gefördert.

(KNA - tktmr-89-00118)
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