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Katholischer Islamexperte kritisiert Zentralrat der Muslime

21. November 2020
Dominikaner, Interreligiöser Dialog, Politischer Islam, Richard Nennstiel, Zentralrat der Muslime

Frankfurt (KNA) Der Islambeauftragte des Erzbistums Hamburg, Pater Richard Nennstiel, hat die katholische Kirche dazu gemahnt, “nicht naiv und blauäugig” im Dialog mit islamischen Verbänden in Deutschland zu sein. Er habe etwa “große Magenschmerzen, mit dem Zentralrat der Muslime zusammenzuarbeiten”, sagte der Dominikanerpater am Donnerstagabend in einer Online-Gesprächsrunde in Frankfurt. “Im Zentralrat der Muslime ist die Creme de la Creme des politischen Islam versammelt”, sagte Nennstiel.

Wenn es um Menschenrechte und Grundsätze der Demokratie gehe, seien “Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit” im Dialog notwendig. “Doppelbödigkeit” müsse entlarvt werde, sagte Nennstiel auch mit Blick auf Verbände wie Ditib oder Milli Görüs. “Wir müssen den islamischen Verbandsvertretern von Seiten der katholischen Kirche auch deutlich machen, dass wir gewisse Spielchen durchschauen”, betonte Nennstiel, der Leiter des Dominikanischen Instituts für christlich-islamische Geschichte (DICIG) in Hamburg ist.

Von “politischem Islam” könne man sprechen, so Nennstiel, wenn es nicht nur darum gehe, den Glauben in die Gesellschaft einzubringen, sondern “wenn aus der spirituellen Religion des Islam eine Herrschaftsideologie wird, die andere unterdrücken will”.

Zur Frage, ob diese Bewegung weltweit auf dem Vormarsch sei, sagte der Ordensmann: “Ich glaube, wir haben bald den Höhepunkt des politischen Islam erreicht, weil man eine derartige Ideologie den Menschen nicht auf Dauer aufzwingen kann.” Denn sie sähen etwa durch das Internet Alternativen. Er sei da “gar nicht so pessimistisch”, sagte Nennstiel. Es werde aber noch einen schwierigen Klärungsprozess geben. Muslimische Gemeinden müssten sich fragen: “Hat die Gewalt vielleicht doch etwas mit dem Islam zu tun?” Aber auch die katholische Kirche stehe vor “schmerzhaften Prozessen in der Theologie”.

Pater Nennstiel äußerte sich in einer Online-Gesprächsrunde des von der Islamforscherin Susanne Schröter geleiteten Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) an der Goethe-Universität Frankfurt.

© KNA

Beitragsbild: Bernhard Stärck via Pixabay

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